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	<description>Kommt immergrün aus Friedrichshagen, die Köpenicker Illustrierte für Erlesenes</description>
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		<title>Bloß kein Sex</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 05:06:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anke Assig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Mama Mia]]></category>

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		<description><![CDATA[
Nirgendwo auf der Welt ist es so gefährlich wie im eigenen Bett. Wer hier intim wird, riskiert im Grunde sein Leben (wenn auch nur sein bisheriges). Der freudigen Nachricht „Sie sind schwanger“ lässt die Frauenärztin letzten Herbst einen Schwall von Ermahnungen folgen: Nicht rauchen, nicht trinken, auf keinen Fall Sushi oder Tartar essen (Listerien!), Freunde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3425" title="schnecke" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2010/08/schnecke.jpg" alt="schnecke" width="459" height="247" /></p>
<p>Nirgendwo auf der Welt ist es so gefährlich wie im eigenen Bett. Wer hier intim wird, riskiert im Grunde sein Leben (wenn auch nur sein bisheriges). Der freudigen Nachricht „Sie sind schwanger“ lässt die Frauenärztin letzten Herbst einen Schwall von Ermahnungen folgen: Nicht rauchen, nicht trinken, auf keinen Fall Sushi oder Tartar essen (Listerien!), Freunde mit Kindern im Kindergartenalter bloß nicht rein lassen (Windpocken!), Katze abschaffen (Toxoplasmose!) und Bungeejumping einstellen. Unkalkulierbar die Gefahren für das Ungeborene. Per Ultraschall wird überwacht, ob ich heimlich genascht oder ferngesehen habe – übergewichtigen bewegungsscheuen Nachwuchs kann sich unser Land nicht leisten. Überhaupt lese ich nun ständig, dass wir ökonomisch gesehen unsere Existenz aufs Spiel gesetzt haben. Kinder gelten als Armutsrisiko (es sei denn, sie werden einmal Hoteliers oder Kernkraftwerksbetreiber … )</p>
<p>Es gibt tausend Gründe gegen ein Kind. Gern werden Hängebrüste, lebenslängliche Schlaflosigkeit, Brechdurchfälle, bemaltes Mobiliar und das Ende der hart erkämpften Reisefreiheit (Uckermark statt Himalaya!) ins Feld geführt.<br />
Doch zur Umkehr ist es jetzt ohnehin zu spät. Das Kind ist da. Mit seiner bloßen Existenz sorgt es seit ein paar Wochen für Chaos in der Welt: Die nachbarschaftlichen Beziehungen sind ob des Geschreis nahezu zerrüttet, der Wasser- und Windelverbrauch treibt jeden Umweltschützer zur Verzweiflung und die Kinderärztin warnt vor Pandemien biblischen Ausmaßes, wenn das Kleine ungeimpft bleiben sollte. Tuberkulose und auch die Pest seien schließlich wieder auf dem Vormarsch. Ich habe Angst. Was haben wir getan? Erst Fun, dann Risk? Neulich versuchte sich der Kindsvater mir zärtlich zu nähern.<br />
Ich winkte ab.<br />
Zu gefährlich!</p>
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		<title>Blätterrauschen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 16:51:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Koepcke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Glosse]]></category>

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		<description><![CDATA[
Der Herbst steht vor der Tür. Er kündigt sich an mit gewaltigem Blätterrauschen. Thilo Sarrazin fegt wie eine Windhose durch die deutsche Medienlandschaft und ein jeder Demokrat tut gut daran, sich lautstark darüber zu empören. Wären wir aber einmal ehrlich, dann gäben wir ihm Recht: Alles wird schlechter, alle um uns herum sind dümmer und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3464" title="Sarrazin" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2010/09/Sarrazin.jpg" alt="Sarrazin" width="460" height="221" /></p>
<p>Der Herbst steht vor der Tür. Er kündigt sich an mit gewaltigem Blätterrauschen. Thilo Sarrazin fegt wie eine Windhose durch die deutsche Medienlandschaft und ein jeder Demokrat tut gut daran, sich lautstark darüber zu empören. Wären wir aber einmal ehrlich, dann gäben wir ihm Recht: Alles wird schlechter, alle um uns herum sind dümmer und irgendwann wird jede Ehefrau, genetisch bedingt, genau wie ihre Mutter – diese Erfahrung macht doch jeder – jeden Tag. Allerdings ist der Migrant als Stütze dieser These nicht zwingend von Nöten, denn ein historischer Rückblick macht die Sache ebenfalls klar.<span id="more-3463"></span></p>
<p>Wenn in früheren Jahren der Berliner an die Ostsee fuhr, betrachtete er die putzigen Küstenbewohner zumeist mit einer gewissen liebevollen Distanz. Natürlich waren die irgendwie doof, aber dennoch, dieses wortkarge, stolze Seefahrervolk, das hatte schon was. Tauchte dann aber eine Urlaubsbrigade aus Thüringen oder Sachsen am Strand auf, waren sich Hauptstädter und Strandkorbvermieter alsbald einig – das muss in den Genen liegen, die passen so gar nicht zu uns. Heute wissen wir, auch Bayern, Friesen und Rheinländer haben ihr spezifisches Gen. Von den Schwaben ganz zu schweigen. Was folgt daraus? Nichts! Es ist wie es ist und auf diese Weise haben wir alle miteinander die letzten zwanzig Jahre rum gebracht, und das oftmals besser, als wir es zugeben würden. Ob Ost oder West, zu lernen hatten die einen wie die anderen. Ostfrauen mussten erkennen, das Westmänner besser rechnen können und Westfrauen wissen heute, dass Ostmänner die besseren Liebhaber sind.<br />
Zurück zu Sarrazin. Letztlich fragt man sich, was soll das Theater? Wozu braucht ein Bundesbanker ein üppiges Autorenhonorar, wenn er sich doch ohnehin am Tag von weniger als 4 Euro ausgewogen ernähren kann? Wem nützt also sein neues Buch? Die Antwort wird niemanden überraschen – Angela Merkel und ihrer Atom-Lobby. Sarazzin ist ein Geschenk des Himmels, denn er warf die wiederstreitenden Wunschkoalitionäre mit ihren Verlängerungsphantasien blitzartig von den Titelseiten. Hat womöglich die Energiewirtschaft den Autor bezahlt?<br />
Weder Verlag noch Thilo Sarrazin wollten sich dazu äußern.</p>
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		<title>Wasser aus dem Berliner Sumpf</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 08:04:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maulbeermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

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		<description><![CDATA[Nichts zu sehen von Friedbert Pflüger, keine Spur von pomadigen FDP-Strategen, nirgends ein Plakat mit Günther Jauch. Und die Kanzlerin? Schweigt. Ohne flankierende Medienkampagne der BILD-Zeitung läuft dennoch zur Zeit ein Volksbegehren in Berlin und die Stille der üblichen Lautsprecher spricht für sich.
Die Initiatoren fordern die Offenlegung von Geheimverträgen, welche bei der Teilprivatisierung der Berliner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Nichts zu sehen von Friedbert Pflüger, keine Spur von pomadigen FDP-Strategen, nirgends ein Plakat mit Günther Jauch. Und die Kanzlerin? Schweigt. Ohne flankierende Medienkampagne der BILD-Zeitung läuft dennoch zur Zeit ein Volksbegehren in Berlin und die Stille der üblichen Lautsprecher spricht für sich.</em></p>
<p><img class="size-full wp-image-3419 alignleft" title="wassertisch" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2010/08/wassertisch.jpg" alt="wassertisch" width="270" height="269" />Die Initiatoren fordern die Offenlegung von Geheimverträgen, welche bei der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe im Jahr 1999 abgeschlossen wurden. Die Bürgerinitiative <a href="http://www.berliner-wassertisch.net/">&#8220;Berliner Wassertisch&#8221;</a> setzt sich gemeinsam mit der Grünen Liga Berlin, der Verbraucherzentrale, attac und vielen anderen dafür ein. Bis zum 27. Oktober will man über 172.000 gültige Unterschriften sammeln, damit schließlich die Berliner Bevölkerung über einen entsprechenden Gesetzentwurf im Rahmen eines Volksentscheids abstimmen kann. Waren die bisherigen Volksbegehren vor allem von Parteien lanciert und gesteuert, so spüren nun erstmals alle Berliner die Folgen des anstehenden Problems: Das Wasser aus dem Sumpf der Berliner Klüngelwirtschaft ist teuer! Seit 2001 sind die Wasserpreise um 35% gestiegen. Das bedeutet in absoluten Zahlen: <strong>Über eine Milliarde Euro wurden bereits aus den Taschen der Verbraucher gepumpt.</strong> Nach einer Untersuchung der NUS-Consulting zahlen die Berliner im internationalen Städtevergleich die höchsten Wasserpreise. Zudem sind Arbeitsplätze abgebaut und Investitionen abgesenkt worden.Mit der Schließung von drei Wasserwerken hat die Stadt ca. 30 km² ökologisch sensibles Trinkwasserschutzgebiet verloren.</p>
<p>Der Grund für diese besorgniserregende Entwicklung liegt in jenen Teilprivatisierungsverträgen, über deren Inhalt „absolutes Stillschweigen“ vereinbart wurde. Durch ehemalige Mitarbeiter der Senatsverwaltung sind den Initiatoren einzelne Passagen zugespielt worden, so dass sie wissen, dass geltendes Recht unterlaufen wird.</p>
<p><span id="more-3417"></span></p>
<p>Die angestrebte Offenlegung wäre die juristische Voraussetzung dafür, dass die geheimvertraglich zugesicherten exorbitant hohen Gewinngarantien in einem unbefristeten (!) Vertrag angefochten werden können. Die politisch Verantwortlichen und ihre medialen Claqueure haben längst eine Desinformationskampagne gestartet, um die kritischen Fragen der Bevölkerung weichzuspülen. Das Volksbegehren findet hingegen in der öffentlichen Berichterstattung so gut wie keine Erwähnung: 1. Das Abgeordnetenhaus rühmt sich damit, das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) novelliert zu haben, so dass sich jetzt das Volksbegehren erledigt habe (so Michael Müller, Landesvorsitzender der Berliner SPD). In Wirklichkeit sieht das IFG lediglich vor, dass die Bestimmungen des Vertrages, „die einer Veröffentlichung entgegenstehen“, „nachverhandelt“ werden sollen. Veröffentlicht wird dann ein „wasserdichter“ Vertrag, nicht jedoch der Vertrag (mit seinen Änderungsvereinbarungen), der 1999 unter Dach und Fach gebracht worden ist. 2. Auch die Berichterstattung über das jüngste Urteil zum Akteneinsichtsrecht einer Berliner Abgeordneten blendet aus, dass die Abgeordneten nur unter verschärften Sicherheitsauflagen Zugang zu den Akten im so genannten Datenraum des Finanzsenators erhalten: Sie dürfen sich keine Kopien anfertigen, keine Notizen machen, nicht telefonieren und keine Experten hinzuziehen. Auch müssen unsere Volksvertreter vorher eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterschreiben, die sie zu Geheimnisträgern machen. 3. Schließlich wurde in der Presse und in der rbb- Abendschau in epischer Breite vorgestellt, dass die SPD die öffentliche Daseinsvorsorge wieder rekommunalisieren will. Solange jedoch die Geheimverträge nicht angefochten werden, ist zu erwarten, dass die SPD in den Verhandlungen mit den privaten Investoren RWE und Veolia die garantierten Gewinne in die Rückkaufsumme einkalkuliert. Wir wollen keine investorenfreundliche Rekommunalisierung, sondern eine kostengünstige, verbraucherfreundliche Rekommunalisierung.</p>
<p><em><strong>Unterschriften müssen allerspätestens bis zum 27. Oktober, 13 Uhr, bei der Landeswahlleiterin oder den Bürgerämtern abgegeben worden sein.</strong><br />
Die Unterschriftsbögen und –listen können bequem aus dem Internet-Portal www.berliner-wassertisch.net heruntergeladen, ausgedruckt und an folgende Geschäftsadresse geschickt werden (Berliner Wassertisch, c/o Grüne Liga Berlin, Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin). Außerdem liegen Unterschriftenlisten in der Mittelpunktsbibliothek und in der Bibliothek Baumschulenweg aus.<br />
</em></p>
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		<title>Kriäitiff Wraiting – watt soll denn ditt sein?</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 07:53:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jesta Phoenix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maulbeertipp]]></category>

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		<description><![CDATA[ oder  Ach, eigentlich haben wir alle etwas zu erzählen…
Die Arbeitsvermittlerin schaut mich über ihre Brille hinweg an und kann mit meinem Bachelor Abschluss (BA Hons Creative Writing) nichts anfangen.  Als ich ihr versuche zu erklären, dass es sich dabei um eine akademische Autorenausbildung handelt, ist sie auch nicht viel überzeugter – ‚Sowatt kann ma [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong> </strong>oder  Ach, eigentlich haben wir alle etwas zu erzählen…</em></p>
<p>Die Arbeitsvermittlerin schaut mich über ihre Brille hinweg an und kann mit meinem Bachelor Abschluss (BA Hons Creative Writing) nichts anfangen.  Als ich ihr versuche zu erklären, dass es sich dabei um eine akademische Autorenausbildung handelt, ist sie auch nicht viel überzeugter – ‚Sowatt kann ma studieren?’</p>
<p>2001 war das.  2009 als ich Berlin Muse gründe, um Kurse im Kreativen Schreiben anzubieten, ruft mich eine entrüstete Berlinerin an, und versucht mich eine ganze Stunde lang versucht davon zu überzeugen, dass sie da schon viele Erfahrungen gemacht hat mit solchen Kursen und, dass das alles Blödsinn ist.  Schreiben kann man nicht lernen.  Entweder man kann das, oder eben nicht. Egal was ich sage, sie ist sich ihrer Sache sicher und ich danke ihr für ihren inspirierenden Anruf und lege auf.</p>
<p><span id="more-3413"></span></p>
<p>Darf nur schreiben und erzählen, wer das schon kann?  Und ab wann kann man das?  Keine Ahnung! Es gibt so viele verschiedene Geschichten und Schreibstile, wie es Leser gibt.  Auch ich erzähle oft und gern meine eigenen Gründe für das Schreiben – ich habe so viel zu erzählen, dass ich gar nicht so viel und oft reden kann.  In Schreibkursen versammeln sich Menschen, die vor allem eins gemeinsam haben – ihre Geschichten zu teilen.   Was sind das für Leute, die sich die Zeit nehmen an einem Schreibkurs teilzunehmen? Es sind Jugendliche, die ihre eigene Stimme entdeckt haben und nun diese ausprobieren wollen, weil es so viel zu sagen gibt und die einfach ein bisschen festgehalten werden wollen, während sie sich kreativ weit aus dem Fenster lehnen.Es sind Menschen jeden Alters, die Bewegendes erlebt haben und durch ihre geschriebenen Geschichten, Zeugen finden wollen, für das, was ihnen widerfahren ist. Es sind Menschen, die ihre beruflichen Fähigkeiten durch fließendes und lebendiges Schreiben von Texten erweitern wollen. Es sind Menschen, die das Geschichtenerzählen alleinig als Werkzeug nutzen, um sich mit einem Thema (z.B. ihrer DDR-Vergangenheit, ihrer Schwangerschaft etc.) während eines Wochenendworkshops mit Gleichgesinnten tiefer auseinander zu setzen. Es sind Menschen, die reich und berühmt werden wollen mit ihrem Drehbuch oder Roman. Es sind Menschen, die schon lange schreiben und sich weiterbilden wollen in ihren sprachlichen und dramaturgischen Fähigkeiten. Es sind Menschen, die den Austausch mit anderen Schreibenden suchen. Es sind Menschen, die einfach neugierig sind, was dabei herauskommt, wenn sie endlich den Mut finden und los schreiben…<br />
Ach, eigentlich haben wir alle etwas zu erzählen.  Die jüngsten Teilnehmer des FDD Schreibwettbewerbs waren unter 12 Jahren, der älteste Teilnehmer war 68 Jahre alt.</p>
<p>Aber kann man das nun lernen?  Was passiert da eigentlich in so einem Kurs?  Einstein meinte, dass er seine Studenten weniger unterrichte, als viel mehr Bedingungen schaffe, unter denen sie lernen können.  Schreiben entsteht nur durch Schreiben und verbessert sich vor allem durch Übung.</p>
<p>‚Verbessern’ heißt, dass das was im Kopf ist, dem auf dem Papier immer ähnlicher wird – dass das was ich erzählen will, so oder ähnlich auch beim Leser ankommt. Daher wird auch vorgelesen, aber das Feedback sollte keine Liste von Verbesserungsvorschlägen sein, sondern Fragen, mit denen die Schreibenden weiterarbeiten können, statt vor Scham über ihren unperfekten Text völlig zu stagnieren.</p>
<p>Vor dem ‚Verbessern’ kommt aber erstmal das Sammeln von Ideen ohne den Druck von Richtig &amp; Falsch.  Daher schreibt man manchmal auch einfach ohne definitive Ambitionen, sondern einfach nur so aus Spaß an der Freude und aus Neugier auf das Ergebnis.</p>
<p><strong>Wer selbst Lust hat, sich aus Spaß an der Freude auszuprobieren:</strong></p>
<p><em>Dichter.dran 2010 -  Berlin Muse Schreiben im Wasserwerkmuseum 12. September 12.30-14 Uhr (Anmeldung und Info: info@berlin-muse.de oder Tel. 43202869), Berlin Muse Kurse in Friedrichshagen: 25.&amp;26. September (Aller Anfang ist schwer?) und 20.&amp;21. November (Weihnachtsschreiben) – mehr auf www.<a href="http://www.berlin-muse.de">berlin-muse.de</a>. Für die Ergebnisse des diesjährigen Schreibwettbewerbs siehe das Rahmenprogramm des <a href="http://www.friedrichshagen.net/friedrichshagen-dichterdran.html">Dichter.dran Festes</a> – es gibt einen Publikumsliebling zu wählen…</em></p>
<p><em> </em></p>
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		<title>Jede Höhe hat ihre Zeit</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Aug 2010 05:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Till Kahnt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maulbeertipp]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>

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		<description><![CDATA[
Der Kletterpark Grünheide: Sanft schaukeln die Colakästen im Wind hin und her. Zehn, zwölf Meter über den Köpfen leuchtet ihr Rot durch die Baumwipfel. Die Blicke der Kursteilnehmer, welche eben ihre Sicherheitseinweisung erhalten, gehen ab und an nach oben. Neugier mischt sich mit Ehrfurcht, Vorfreude mit Respekt.
Nach Wochen, in denen Regen und Kälte schier endlos [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-3365" title="kletterpark" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2010/07/kletterpark.jpg" alt="kletterpark" width="460" height="224" /></em></p>
<p><em>Der Kletterpark Grünheide: Sanft schaukeln die Colakästen im Wind hin und her. Zehn, zwölf Meter über den Köpfen leuchtet ihr Rot durch die Baumwipfel. Die Blicke der Kursteilnehmer, welche eben ihre Sicherheitseinweisung erhalten, gehen ab und an nach oben. Neugier mischt sich mit Ehrfurcht, Vorfreude mit Respekt.</em></p>
<p>Nach Wochen, in denen Regen und Kälte schier endlos auf Land und Seele lagen, ist nun doch der Sommer angebrochen. Das Grün der Bäume strahlt intensiv in der Sonne und vom nahen Wasser streicht eine angenehme Brise durch den Wald. Über unseren Köpfen winden sich Meter um Meter Stahlseile, Hängebrücken und Netze zwischen den Bäumen. Hölzerne Plattformen säumen in unterschiedlichen Höhen die Stämme. Wir befinden uns in einem Waldstück unmittelbar neben dem Nordstrand des Werlsees im Kletterwald Grünheide. Fünf verschiedene Kletterparcours verbinden hier über sechzig verschiedene Elemente zu aufregenden Rundtouren durch das Blätterdach und die Konstrukteure haben sich viel einfallen lassen, um dabei keine Langeweile aufkommen zu lassen. Obwohl das schon angesichts der Höhe von bis zu fünfzehn Metern, auf die man emporschwingen kann, unwahrscheinlich erscheint.</p>
<p>Ein erster Blick in die Runde bereits offenbart Erstaunliches: In vielleicht drei Metern Höhe spannt sich ein schmaler Holzsteg über den Weg, auf dem ein Bobbycar auf Fahrgäste wartet. Gleich daneben schaukelt ein ausgedientes Paddelboot. Weiter oben, mitten im Geäst einer stattlichen Linde, schimmert das Segel eines Surfbretts in der Sonne. Doch während man sich noch umschaut, ist die Einweisung bereits vorbei und die Ersten aus der Gruppe beginnen die Treppe zum ersten Rundkurs zu erklimmen. Als Freund festen Bodens und allen Aktivitäten, die sich mehr als einen halben Meter über der Erde abspielen eher skeptisch gegenüber stehend, schaue ich lieber meiner Freundin dabei zu, wie sie über meinem Kopf etwas wackelig über ein Stahlseil balanciert. Das Bobbycar allerdings scheint wirklich Spaß zu machen und auch das Überklettern des Paddelboots sieht schon von unten sehr amüsant aus. <span id="more-3364"></span>Insbesondere in den unteren, etwas einfacheren Parcours sorgt der Einfallsreichtum der Konstrukteure so immer wieder für erheiternde Momente. Der Spaß wirkt ansteckend und auch ich ertappe mich dabei, wie meine Neugier die Angst mehr und mehr verdrängt.<br />
Spätestens ab der dritten Runde wird dann auch schnell deutlich, warum so viel Wert auf eine gründliche Sicherheitseinweisung gelegt wird. In der respektablen Höhe ab fünf Metern aufwärts erstrecken sich abwechselnd Bretter, Seile und Holzelemente in verschiedensten Anordnungen zwischen den Baumstämmen, auf denen es sich voranzubalancieren gilt. Alles wackelt und schwankt beständig, und als eine Wand aus Holzstämmen den Weg versperrt, die nur langsam und unter Einsatz gymnastischen Talents umklettert werden kann, wird jedem bewusst, wie anstrengend so ein Kletterausflug auch werden kann.<br />
Insbesondere der fünfte Parcour hat es in sich. Nach den ersten vier Runden und guten eineinhalb Stunden Kletterei durch die Bäume fordert dieser letzte Rundkurs noch einmal alles an Kraft und Energie. Sportlicher Ehrgeiz und Höhentauglichkeit sind hier besonders gefragt. Etwa wenn man eine 45° Steigung auf einem verdrehten und beständig schwankenden Netz aus Seilen hochzuklettern hat oder der sog. „Tarzansprung“, wenn man sich aus über fünfzehn Metern Höhe in ein Netz fallen lassen muss. Nach guten zwei Stunden sind alle Parcours einmal durchstiegen und auch als anfänglich zurückhaltender Beobachter habe ich mich anstecken lassen und stelle mich dem ersten Rundkurs. Eine Schrecksekunde durchfährt mich sofort, als ich den Blick von der Startplattform nach unten richte. Die drei Meter sahen von unten viel weniger hoch aus. Und wie diese Holzstrickleiter schwankt! Es dauert ein paar Minuten, bis die erste Angst besiegt ist und ich mich mit tastendem Schritt auf die doch sehr durchsichtige Konstruktion wage. Gottvertrauen, ein letzter banger Blick auf die Sicherheitsgurte und der lockende Zuruf meiner Freundin bewegen mich schließlich über den wackeligen Abgrund.<br />
Beim zweiten Element aber, einer von vielen Seilrutschen, an der man an einem Drahtseil hängend durch die Blätter schwebt, mischt sich bereits ein wenig Spaß unter die Angst, und spätestens beim Bobbycar überwiegt die Lust am Abenteurer deutlich. Mein Blick geht jetzt immer häufiger nach vorn statt ängstlich in Richtung Boden. Und wie ruhig es hier oben ist! Durch die Äste schimmert hell und lockend der See und eigentlich ist es richtig schön hier, hoch oben in den Bäumen, der Welt ein klein wenig entrückt.</p>
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		<title>Toni Mahoni im Maulbeer TV</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 14:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maulbeermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Friederike Hagen]]></category>
		<category><![CDATA[Kietzer Sommer]]></category>
		<category><![CDATA[Maulbeer TV]]></category>
		<category><![CDATA[Maulbeerblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Toni Mahoni]]></category>

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		<description><![CDATA[
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			<content:encoded><![CDATA[<p><object width="458" height="283"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/Avn1CQezpT0&amp;hl=de_DE&amp;fs=1?color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/Avn1CQezpT0&amp;hl=de_DE&amp;fs=1?color1=0x234900&amp;color2=0x4e9e00" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="458" height="283"></embed></object></p>
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		<item>
		<title>AGAIBF &#8211; Alfs Großer Auftritt In Berlin Friedrichshagen</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 05:00:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Alf Ator</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alfs Allerlei]]></category>
		<category><![CDATA[31.0.7.2010]]></category>
		<category><![CDATA[Alf Ator]]></category>
		<category><![CDATA[Freilufttheater]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrichshagen]]></category>
		<category><![CDATA[Kino Union]]></category>
		<category><![CDATA[Musiker]]></category>

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		<description><![CDATA[
Wir schreiben den 31. Juli 2745. Die Mädchen, Jungen und Mumplinge der Klasse 4s sitzen artig in ihren Lernkokons und schauen gespannt auf Frau Tiger, die sich gerade auf dem nagelneuen Gosch materialisiert hat. &#8220;Na, ihr?&#8221; begrüßt sie die Kinder, und wie aus der Pistole geschossen kommt aus 45 Mündern und Lautsprechern ein exaktes &#8220;Na [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3359" title="alf" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2010/07/alf.jpg" alt="alf" width="460" height="305" /></p>
<p>Wir schreiben den 31. Juli 2745. Die Mädchen, Jungen und Mumplinge der Klasse 4s sitzen artig in ihren Lernkokons und schauen gespannt auf Frau Tiger, die sich gerade auf dem nagelneuen Gosch materialisiert hat. &#8220;Na, ihr?&#8221; begrüßt sie die Kinder, und wie aus der Pistole geschossen kommt aus 45 Mündern und Lautsprechern ein exaktes &#8220;Na Sie?&#8221; zurück. (Wer jetzt daraus schließt, dass wir es mit einer 45-köpfigen Klasse zu tun hätten, weiß nicht, dass Mumplinge seit 2699 stereo sind. Bei einer gesetzlich festgelegten Mumplingquote von 50% ergeben sich daraus 30 Individuen, von denen 15 je einen Mund, die andere Hälfte je 2 Lautsprecher besitzen.)</p>
<p>&#8220;Wer von euch weiß, was heute für ein besonderer Tag ist?&#8221; &#8220;Heute ist AGAIBF!&#8221; rufen alle durcheinander. Kein Wunder, in den letzten Wochen sind fast alle Familien, Gemeinden und Bezirke mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen. AGAIBF ist neben Ostern und Herrentag das wichtigste Fest im VEM-Komplex (Venus-Erde-Mars). Jedes Dorf, das etwas auf sich hält, baut sich zumindest ein provisorisches Amphitheater, und eine Stadt ohne Colosseum gibt es seit mehreren hundert Jahren nicht mehr. Entertainer haben Hochkonjunktur, Schulklassen produzieren interaktive Playback- Theaterstücke, und in den Wohnzimmern wird der Fernseher gegen eine Bühne eingetauscht. Es ist ein Fest der humorvollen, aber tiefgründigen Unterhaltung.<span id="more-3358"></span></p>
<p>Überall gedenkt man der großen Zeit des Umbruchs, als Theaterstücke noch den Lauf der Geschichte verändern konnten. &#8220;Und wisst ihr auch, was AGAIBF bedeutet?&#8221; Zwölfriede meldet sich: &#8220;AGAIBF war der Name des Mannes, der das erste Fest dieser Art veranstaltet hatte.&#8221; &#8220;Nein!&#8221; ruft N23 aus der letzten Reihe, &#8220;der hieß …&#8221; &#8220;Stop!&#8221; unterbricht ihn die Lehrerin. &#8220;Du kannst gern darauf hinweisen, dass Zwölfriede Unrecht hat, aber die richtige Antwort möchte ich bitte nicht von einem Mumpling hören. Mit implantiertem Wissen ist das keine besondere Leistung. Kennt einer von den richtigen Kindern den Ursprung des Festes?&#8221; Niemand meldet sich. Die Mumplinge rollen die Augen, und die anderen Kinder schauen hilfesuchend in die Runde. &#8220;Rindinand, was weisst du denn über die Ursprünge von AGAIBF?&#8221; Rindinand rutscht verlegen in seinem Kokon hin und her. &#8220;Also, vor vielen hundert Jahren war da so einer, der hat das interaktive Playbacktheater erfunden. Und das war in einem … Kino? Aber wie der hieß … &#8221; &#8220;Na, weiß denn einer, wo dieses Kino stand? Ja, Kriegolin?&#8221; &#8220;Auf der Erde?&#8221; &#8220;Welche Stadt, Mann!&#8221; &#8220;Erdingen?&#8221; &#8220;Falsch! Weißt du es, Delfindrun?&#8221; &#8220;Ja, Berlin!&#8221; &#8220;Richtig! Wir kommen der Sache näher. B51, fass doch bitte zusammen!&#8221;</p>
<p>B51 schwebt stolz über seinem Kokon und zitiert souverän aus der Fibel: &#8220;Es geschah im Jahre 2010. Die Erde stand kurz vor der Insolvenz, Mars und Venus drohten nie besiedelt zu werden. Doch am 31. Juli führte ALF ATOR auf der Freilichtbühne Friedrichshagen das erste interaktive Playbacktheaterstück &#8220;Das noch neuere Testament&#8221; auf. Von da an wurde alles besser. AGAIBF ist die Abkürzung für Alfs Großer Auftritt In Berlin Friedrichshagen.&#8221; &#8220;Merkt euch das, Kinder! Und heute Abend sehen wir uns alle auf dem Atorplatz. Hiervid, welches Stück führst du auf?&#8221;<br />
&#8220;Doppelte Atomblitz-Attacke!&#8221;<br />
&#8220;Fein.&#8221;</p>
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		<title>&#8230; die Phoenix kriegt was erzählt von: Traveling Oweide</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 05:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jesta Phoenix</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Leute Leute …]]></category>

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		<description><![CDATA[
Traveling Oweide, Liedermacher &#38; Musiker – Dirk Friedrich, Sven Friedrich und Bert (Ehren-Friedrich-)Scholz
1.	Was ist für Sie typisch Köpenick?
Dirk Friedrich: Die Wuhlheide.
Sven Friedrich:  Das Schloß Köpenick.
Bert Scholz:  Der Schlossplatz.
2.	Was lesen Sie gerade vor dem Schlafengehen?
D:  Das Berliner Tagebuch.
S:  Also wenn ich mal ein Buch in der Hand habe, dann ist es Mark [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3351" title="travelingOW" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2010/07/travelingOW.jpg" alt="travelingOW" width="460" height="306" /></p>
<p><em>Traveling Oweide, Liedermacher &amp; Musiker – Dirk Friedrich, Sven Friedrich und Bert (Ehren-Friedrich-)Scholz</em></p>
<p><strong>1.	Was ist für Sie typisch Köpenick?</strong><br />
Dirk Friedrich: Die Wuhlheide.<br />
Sven Friedrich:  Das Schloß Köpenick.<br />
Bert Scholz:  Der Schlossplatz.</p>
<p><strong>2.	Was lesen Sie gerade vor dem Schlafengehen?</strong><br />
D:  Das Berliner Tagebuch.<br />
S:  Also wenn ich mal ein Buch in der Hand habe, dann ist es Mark Twain, weil ich das Gefühl habe, dass er spricht meine Sprache.  Wenn ich vor dem Schlafengehen lese, heißt das, dass ich mich nicht die ganze Nacht damit beschäftigen kann – also sind es vor allem seine Kurzgeschichten.  Ich will ja damit fertig werden.<br />
B:  Bukowski.  Kleine Kneipengeschichten.</p>
<p><strong>3.	Von den materiellen Dingen, die Sie besitzen &#8211; auf was könnten Sie sofort verzichten?</strong><br />
D: Fernseher.<br />
S: Auto.<br />
B:  Ja, da könnte ich auch drauf verzichten – Auto.<br />
S:  Ich fahr auch Sommer wie Winter mit dem Fahrrad zur Arbeit – neun Kilometer hin und neun zurück.  Das mit dem Walkman und Fahrradfahren habe ich aufgegeben.  Musik höre ich dann lieber im Auto.</p>
<p><strong>4.	Welchen Gegenstand würden Sie auf jeden Fall aus ihrem brennenden Haus retten?</strong><br />
D:  Also, ich bräuchte mindestens eine halbe Stunde, um zu überlegen welche Gitarre ich rette – aber auf jeden Fall wird es eine der Gitarren sein.<br />
S: Das ist bei mir auch so.  Ich würde immer versuchen beide Hände mit Gitarren voll zu kriegen.  Ich habe fünf gute Gitarren, außerdem meine allererste Gitarre und dann noch eine, die eigentlich weggeschmissen werden sollte, aber das bringe ich einfach nicht übers Herz.  Ich spiel sie auch noch &#8211; weil dafür wurde sie ja mal gebaut.<br />
B.  Ich brauch da auch nicht zu überlegen – eine Hand die Gitarre und in die andere den Verstärker.<br />
D:  Wer E-Gitarre spielt, muss halt immer mit Strom unterwegs sein oder mit einer handvoll Batterien.</p>
<p><strong>5.	Einsame Insel.  Wen nehmen Sie auf gar keinen Fall mit?</strong><br />
D:  Das ist zu privat…<br />
S: Also ich bin niemandem so spinnefeind, dass ich es nicht mit ihm aushalten würde.<br />
B:  Da ist so eine gewisse Ex-Freundin&#8230;</p>
<p><strong>6.	Was tun Sie um wieder ‚aufzutanken’?</strong><br />
D und S:  Gitarre spielen.<br />
B:  Gitarre spielen und Musik hören – mitspielen und mitplärren.<br />
S:  Wir spielen täglich.  So viel wie eben Zeit ist.  Ich spiel meistens schon morgens um fünf auf einer Gitarre, die in der Küche hängt.  So ein bis zwei Liedchen bevor ich mich dann aufs Fahrrad schwinge.  Eigentlich muss das gar kein Lied sein – nur so ein paar Akkorde reichen manchmal auch.<br />
D:  Gitarren sind so’n bisschen wie Weggefährten.</p>
<p><strong>7.	Zeitmaschine.  In welche Zukunft oder Vergangenheit reisen Sie und wen wollen Sie dort treffen?</strong><br />
S:  Woodstock und dann die Zeit von Frank Zappa.<br />
D:  Ja, Peace und lange Haare war eine gute Zeit.  Aber es wäre auch spannend Orte, die es heute gibt zur Zeit der Dinosaurier zu besuchen.<br />
S:  Schöneweide im Tertiär.<br />
D:  Na, da gab es ja auch Palisander im Überfluss – da ließen sich bestimmt Gitarren ohne Ende draus machen…</p>
<p><strong>8.	Welches Lied könnten Sie immer wieder hören und mitsingen?</strong><br />
S:  You’ve got a friend von James Taylor.<br />
B: Pink Floyd – Shine on Crazy Diamond.<br />
D:  51er Kapitän von Reinhard Mey.</p>
<p><strong>9.	Was war Ihr Lieblingsessen als Kind?</strong><br />
D:  Nudeln mit Tomatensoße.  Auch heute noch.  Makkaroni nicht Spaghetti.<br />
B:  Falscher Hase – also Fleisch ohne Knochen.<br />
S:  Quetschkartoffeln mit Rührei.</p>
<p><strong>10.	Woran glauben Sie?</strong><br />
S:  An das Gute im Menschen.<br />
D:  Alles wird bezahlt im Leben.<br />
B:  Alles im Leben hat Konsequenzen, die man dann auch tragen muss.</p>
<p><strong>11.	Was bringt Sie zum Lachen?</strong><br />
S:  Der Film „Bube, Dame, König, Gras“ von Guy Ritchie.  Da gibt es Stellen, die mich immer wieder zum Lachen bringen.<br />
B:  Menschen, die bildhafte Witze erzählen.<br />
D:  Für mich ist das der Film „Bang Boom Bang“.</p>
<p><strong>12.	Beschreiben Sie sich mit nur einem Wort.</strong><br />
D:  Ruhelos.<br />
S:  Ehrlich.  Darauf lege ich Wert.  Auch wenn mich diese eine Zeile aus einem Lied für immer verfolgen wird – da habe ich geschrieben, dass ich meiner Mutter Geld aus dem Portemonnaie geklaut habe, weil das da gut gepasst hat.  Ich habe meiner Mutter nie irgendwas geklaut, aber das glaubt mir jetzt natürlich keiner mehr.  Es gibt sogar manchmal Leute, die zu mir kommen und mir dann gestehen, dass sie ihrer Mutter ‚auch’ Geld geklaut haben…  Ich habe die Zeile jetzt extra geändert in ‚ich habe im Konsum nie mehr als ’ne Bambina geklaut’, um meine Mutter da raus zu lassen.<br />
B:  Ruhig.</p>
<p><strong>13.	Was war Ihr spektakulärster Misserfolg?</strong><br />
D:  Bei mir war da so eine Geschichte mit einer Holzhantel als ich zehn Jahre alt war… Das war am Anfang meiner Gewichtheberkarriere.<br />
B:  Mein erster Versuch zu rauchen. Wann das war will ich hier gar nicht sagen, nachher liest das noch meine Mutter…   Stubenarrestgefahr!<br />
S:  Naja es gibt bei uns so eine Nummer Eins der Misserfolge, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen…  Das ist wirklich schwer zu toppen.  Ich bin vom Sternbild Stier, das bedeutet, ich überlege mir die meisten Sachen sehr genau.  Daher habe ich mit Misserfolgen nicht so viel zu tun.</p>
<p><strong>14.	Was ist Ihnen peinlich?</strong><br />
S:  Text vergessen auf der Bühne.  Das passiert ja auch den professionellsten Musikern.<br />
B:  Mein erster Auftritt in der Eichenklause.  Ach, da ging einfach alles schief. Die Technik war futsch, ich war nicht zu hören, habe total daneben gespielt…  Ich habe mich dann mit dem Rücken zum Publikum gestellt.<br />
D:  Obwohl mit ja da noch was anderes einfällt.  Als wir letztes Jahr am S-Bahnhof Schöneweide zum Fest der Demokratie gespielt haben und unser Bongomann die Bongos vergessen hat…<br />
B:  Ja, da hab’ ich dann Mundperkussion gemacht.</p>
<p><strong>15.	Haben Sie ein Mantra?</strong><br />
D:  Das Leben kann verdammt kurz sein.<br />
S:  In der kleinsten Pfütze spiegelt sich noch der Regenbogen.</p>
<p><strong>16.	Was möchten Sie in den nächsten 10 Jahren erreichen?</strong><br />
D:  Ich würde mich freuen, wenn meine Bypässe offen bleiben.<br />
S:  Meine Altersteilzeit möchte ich erreichen…<br />
B:  Ja, ich auch.</p>
<p><strong>17.	Von all ihren schlechten Angewohnheiten – was ist Ihre liebste?</strong><br />
D:  Das Rauchen hätte ich gern noch als schlechte Angewohnheit.  Das darf ich ja leider nicht mehr – aber diese hätte ich gern noch.<br />
S:  Der Rotwein.<br />
B:  Na, dann muss ich sagen – das Bier.</p>
<p><strong>18.	Wen bewundern Sie am meisten?</strong><br />
D:  Tommy Emmanuel, weil er Gitarre spielt, als wäre er nicht von diesem Planeten.  Und dabei hat man bei ihm trotzdem das Gefühl, dass er einfach nur Mensch geblieben ist frei von jeglicher Arroganz.<br />
S:  Charlie Brown.  Er ist immer gut drauf, obwohl alles schief geht.<br />
B:  Stephen Hawking, der britische Astrophysiker. Der sitzt zwar im Rollstuhl, aber was der so alles zusammenkriegt und worauf der so alles kommt!  Der zeigt einfach mal, dass es eher darauf ankommt was man kann und nicht darauf, was man nicht kann.</p>
<p><strong>19.	Was treibt Sie an?</strong><br />
D:  Neugier.<br />
S:  Die Gitarren, die so rumstehen.<br />
B:  Mein Sohn, der mit 16 zu mir gezogen ist.</p>
<p><span id="more-3350"></span></p>
<p>Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in einer Runde so schön vierstimmig berlinert habe.  Ach, tat det jut!  Damit aber auch Sprachunkundige das Interview verstehen, übersetze ich hier einfach mal ins Durchschnittsdeutsch.</p>
<p>Der Bezirk aus dem ich komme, ganz ohne Königsallee, wo ich heute noch Gesichter von vor 40 Jahren seh’…  In Schöneweide hält sich vieles – Freundschaften, Beziehungen, Gewohnheiten&#8230; auch wenn heute zu Feierabendzeit die Bürgersteige der Wilheminenhofstrasse nicht mehr überquellen, bevor dann so einige für eine Weile im Bermudadreieck verschwinden.  Wir sitzen in der Qbar und trinken Kaffee, Cola light, Mango Schorle und kleine aber einige Gläser Bier.  Der lokale Patriotismus der Band spiegelt schon gleich im Namen wieder – angefangen hat alles mit ‚Traveling Köpenick’ in Anlehnung an Traveling Wilburys (George Harrison, Jeff Lynne, Roy Orbison, Tom Petty, Bob Dylan).  Das schien aber zu ungenau.  ‚Traveling Schöneweide’ war auch noch nicht genug.  Also ‚Traveling O(berschöne)weide.  Alle drei sind hier geboren, aufgewachsen und sind trotz mancher kurzer Ausflüge in andere Bezirke wieder hier und wollen es auch bleiben.   	Zusammengekommen sind die drei vor 2 Jahren als Dirk und Sven für den Auftritt im Viva in der Wuhlheide ein Lied geschrieben hatten und Gäste suchten, die den Auftritt musikalisch auf irgendeine Art begleiten würden.  Übriggeblieben ist Bert.  Nachdem er sich an zwei herumstehenden Bongos probierte, war klar, ‚der kriegt keine Gitarre in die Hand, der spielt Bongos’.  Was als Idee für ein Projekt begann wurde zum Selbstläufer.</p>
<p>Mindestens einmal die Woche wird gemeinsam geprobt.  ‚Wenn ein neues Lied da ist, wird das immer erst akustisch auf der Couch probiert’, dann kommen die anderen hinzu und das Lied wächst und verändert sich.  Im Moment haben sie ein Repertoire von ungefähr 60 Liedern – keine Cover, alles handgemacht!  Ich frage nach den inoffiziellen Rollen innerhalb der Band – oh ja, die gibt es. Unter lautem Gelächter wird jeder Einzelne ernannt – Sven, der Kapellmeister; Dirk, der Bürgermeister; Bert, der Taktgraf.  Es ist nicht einfach, der Percussionist von zwei Liedermachern zu sein.  Für Liedermacher ist es die Hölle einem Schlagzeug folgen zu müssen.  Aber der Taktgraf setzt sich dann schließlich durch und überzeugt. ‚Bei uns geht es ja hauptsächlich um die Texte.  Ich will ja nicht sagen, dass die musikalische Untermalung zweitrangig ist, aber zuerst entstehen halt die Texte.  Da baut man halt auch mal dramatische Pausen ein, mit denen der Percussionist aber nicht umgehen kann…’</p>
<p>Eine kreative Routine fürs Liederschreiben gibt es nicht. Die Dinge passieren und dann entwickelt sich irgendwo ein Reim daraus.  Das ist dann die erste Zeile von der ersten Strophe, der dritten Strophe und vom Refrain. Man kann nie wissen, wo die Reise danach hingeht.  Als Akkordfinder schreiben und spielen sie allein nach Gehör.  Das Liederschreiben fing vor fünf Jahren an mit Geburtstags- und Kinderliedern für Freunde, Bekannte und Kollegen.</p>
<p>‚Heute gehen wir auf Deutschlandtournee durch Schöneweide’…  Etwas größer wird es dann beim jährlichen Hofschwof der BSR, wo dann extra Lieder geschrieben werden mit ‚allem was mal so raus muss’.  Noch größer war es beim Auftritt im ICC für eine Personalversammlung der BSR – ‚wenn man da mit seiner kleinen Holzgitarre sitzt, wird einem schnell anders – obwohl wir nur ein paar Lieder gespielt haben, kam es mir vor wie 10 Stunden’.  Aber ansonsten legt sich das Lampenfieber meistens nach dem ersten Lied.   Dieses Jahr haben sie vor, sich etwas in die Fremde vorzuwagen – Köpenick, vielleicht sogar Mitte…</p>
<p>Zu 50% erinnern ihre Konzerte an Klassentreffen – alte Freunde und Bekannte sind immer zur Unterstützung und natürlich zu ihrem eigenen Vergnügen dabei.  Ihr größter Fan und das stille vierte Bandmitglied gestaltet ihre sehr lebendige Internetseite.  ‚Ich hätte nie gedacht, dass unsere Musik mal so begeistert, dass jemand so viel Zeit und Mühe in uns investiert.’  Zu Hause, ist die Publikumsstimmung dann schon durchmischter. Sven wird nach der vierten Wiederholung eines Liedes von seiner Familie gebeten, mit der Gitarre doch bitte in die Küche zu gehen; Berts Sohn geht in sein Zimmer, macht die Tür zu und spielt laut Metall;  auch Dirks Familie ist von der ewigen Wiederholung des immer gleichen Liedes schnell genervt.  Ihre Familien stehen hinter ihnen, auch wenn sie froh sind, dass es den Übungsraum auf dem Fernsehgelände in Adlershof gibt.</p>
<p>Für Dirk fing das Musikmachen mit 12 an, wo er von Benny in der Kammer die ersten Griffe gelernt hat.  Das war gleich ein Virus, den er nicht mehr los wurde.  Sven hat sich 1977 die erste Gitarre bei Takt &amp; Ton in der Kastanienallee für 550 Mark gekauft – ‚dafür habe ich alles platt gemacht, was ich hatte, um das Geld zusammen zu kriegen’.  Damals haben beide Kfz-Mechaniker gelernt, obwohl Sven diesen Beruf verabscheut hat.  Wenn er die Zeit zurückdrehen könnte, hätte er lieber eine Ausbildung zum Bühnenbildner gemacht (‚Die Zeichnungen auf der Webseite sind alle von ihm’, sagt sein Bruder nicht ohne Stolz). Aber welcher Mensch kann mit 16 schon sagen, was er sein Leben lang machen möchte. In dem Alter entscheidet man sich ja auch bisschen danach, was der beste Freund gut finden würde. Bei Bert ging es vor fünf Jahren los mit der Musik.  Zwar hat er sich mit 19 die erste Gitarre geschnappt und ein paar Griffe gelernt, aber dann war erst mal lange musikalische Pause.  Die Begegnung mit den Friedrichbrüdern vor zwei Jahren hat ihn dann noch mal ganz anders gefordert, als er von ihnen als Percussionist entdeckt und gefördert wurde.  Vorher hatte er mit Schlaginstrumenten überhaupt nichts zu tun.</p>
<p>Was alle bedauern ist, dass es eben diese lange Pause zwischen jugendlichem Herumprobieren und ernsthafterem Musikmachen gab.  Aber da war auch die DDR-Zeit mit all ihren Beschränkungen und Vorgaben.  Da ich die DDR nur bis zum 13. Lebensjahr mitbekommen habe, lasse ich mir das Verfahren der Einstufungskommision erklären, das vor Ausgabe einer Spielerlaubnis zum einen sicher stellte, dass der Geist des Sozialismus nicht verletzt wurde und zum anderen die Lohngruppe für die Musiker festlegte.  Dass aber auch heute nicht die große Freiheit herrscht, die uneingeschränkte künstlerische Entfaltung fördert, sondern vor allem finanzielle Einschränkungen mit sich bringt, wissen die drei.  Sie haben keinen Bock auf Massenware und wollen sicher gehen, dass ihre Musik nur von dem, was sie wirklich bewegt, handelt.  ‚Es ist alles dabei – die Arrangements sind immer auch emotional gestaltet’.  Handgemacht eben. Aber auch immer gut lokal verwurzelt – anders ist das für die drei undenkbar. ‚Egal wo du herkommst und aufwächst – das sind deine Wurzeln und das bleiben deine Wurzeln ein Leben lang.’</p>
<p>Ich laufe auf dem unüberfülltem Gehweg der Wilheminenhofstrasse zur Tram, habe Muskelkater vom zweistündigen Lachen und genieße das gute Gefühl, das mich immer dann überkommt, wenn ich wieder mal andere Künstler getroffen habe, die mit Herz, Seele und radikaler Ehrlichkeit erschaffen, was halt mal gesagt und gesungen werden sollte.</p>
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		<title>Summer in the city</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 08:12:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Katrin Wollschaeger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Glosse]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Freund, Teilzeitvater von drei Söhnen simst, er beneide mich um meine Ruhe. Ach? Ich stehe um 6 Uhr auf, schicke um 8 Uhr ebenso mitleidig wie genervt den pfuschenden Maler weg. Er ist unfähig, müde, übellaunig, es ist sehr warm und feucht. Die Fensterfront sieht inzwischen aus wie ein Backgammonspielplan und das ist nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Freund, Teilzeitvater von drei Söhnen simst, er beneide mich um meine Ruhe. Ach? Ich stehe um 6 Uhr auf, schicke um 8 Uhr ebenso mitleidig wie genervt den pfuschenden Maler weg. Er ist unfähig, müde, übellaunig, es ist sehr warm und feucht. Die Fensterfront sieht inzwischen aus wie ein Backgammonspielplan und das ist nicht das einzige Übel. Anklagend senken die divenhaften Balkonpflanzen im Hausarrest die Köpfe und rascheln vorwurfsvoll mit Laub „Wann dürfen wir wieder raus?“ – Wenn die wüssten&#8230; Einige kommen in den Sack, weil sie nicht artig waren und wenig wohlgeraten sind. Die anderen kommen ohnehin bald an den Tropf, denn ich fahr zum Plauer See nach MeckPomm. Zum Radfahren und Schmollen – wegen des Teilzeitvaters.<br />
Draußen lärmt seit 6.30 ein Laubbläser ohne Laub und die BSR „trockenduscht“ und schrubbt mit beißendem Gebläse quasi ohne Wasser die Straße. Stoisch lenkt der Fahrer sein ausgedörrtes Nassreinigungs-Fahrzeug kreischend und fiepend durch die Gegend. Um 7.00 fielen in den Kanon mit ein: die ausgeführten Köter. Dann sangen sich noch ein paar Kreissägen warm, Bäume werden “gepflegt“. Ein Rasenmäher kommt hinzu, der den nicht vorhandenen, ausgedörrten, gelben Rasen mäht. Steht eben so im Mäh-Plan drin. Kräftiges, lautes Sägezahngerät stutzt winzige Hecken auf Wadenhöhe. Ich schreibe eine traumhafte Bewerbung an den Verband der Tourismuswirtschaft unserer ebenso traumhaften Stadt, solange es sich noch mit vollem Bewusstsein am Schreibtisch am Südfenster aushalten lässt. Brauche endlich Vorhänge! Selbst der PC macht mehr Krach als sonst, Laufwerk, Lüftungsgebläse ächzen unter der Hitze und der Drucker braucht ’ne Extraeinladung. Ich klebe an meinen Zeugniskopien und der Briefmarke fest. Es ist 10 Uhr, bereits jetzt 28 Grad im Schatten. Mein Rad hat keine Lust, ich auch nicht, egal, da muss man durch, auf den Termin warte ich seit 5 Monaten.<span id="more-3397"></span></p>
<p>Auf dem Weg zur Ärztin stoppe ich an der Ampel der sonnendurchglühten, lauten Kreuzung am Bahnhof, wo auch die Busse halten. Oh, ich fahre aus Versehen meinen Müll im Körbchen durch die Gegend. Aber das sind Peanuts gegen Mandy, die dem Marcel grad schnell zeigt, dass sie statt des Handies die Fernbedienung eingepackt hat. Was soll nun werden aus den beiden?</p>
<p>Der Busfahrer des 190-er hat sich verfahren, gehört hier gar nicht hin. Egal, er ist ein echter, eingeborener Berliner, will sich erst mal ’ne Wurst holen, ist jetzt eh alles egal. Es ist sehr, sehr warm. Es wird immer heißer. Er prallt voll gegen den Fahrer des 164-er, der desorientiert vor dem Wagen die Straßenschilder studiert. Ist seine erste Tour auf der Linie, drollig dreht er sich mit der Karte und nordet sich und den Bus auf nicht wirklich zielführende Art. Mittlerweile Clusterbildung an der Haltestelle. Alle steigen fluchend scheinbar wahllos irgendwo ein, Hauptsache weg von der Haltestelle. „Junger Mann, fährt dieser Bus über Adlershof?“ fragt die Seniorin mit Schoßhund und Hackenporsche den Fahrer. – Sie muss einen wunden Punkt getroffen haben, der Mann gerät in’s Grübeln. Langsam dreht er sich zornesfaltig und schweißtriefend im viel zu engen Hemd in ihre Richtung, rotgeäderte Augen starren sie glasig an und ich könnte schwören, er hätte geantwortet: „Welcher Bus?“</p>
<p>Brav trägt mich die alte Herculine durch die Hölle der backofenwarmen Dörpfeldstraße mit wechselnder Spurbreite bei einseitiger Fahrbahn, Straßenbahnschienen und viel Verkehr, auch Sattelschleppern und Tanklastzügen &#8211; und auch ein paar mutige Pioniere der Buslinie 164&#8230; Im Wartezimmer der gynäkologischen Gemeinschaftspraxis haben sich praktische Gemeinschaften von Säuglingen und Kleinkindern gebildet, die ihre Lungenvolumen ausprobieren. „<em>Wie denkst Du über Kinder?“ fragt die Verliebte Ihren Auserwählten – „Ich glaube, die wären zu jung.“ (Woody Allen)</em> Der Wasserspender ist leer und röchelt. Es ist eine Praxis im Dachgeschoss mit Terrasse, in der Sonne so ungefähr 50-55 Grad. Die Ärztin ist freundlich, aber wortkarg. Sie rollt erschöpft auf einem Stühlchen hin- und her. Zwischendurch Aussetzer und doppelte Fragen. Dann rollt sie zurück zum Schreibtisch. Plötzlich Stille. Muss ich mir Sorgen machen? Nein, sie macht Pause, hält inne, ihr ist schummrig. Auch der PC streikt. Ich stehe nur bekleidet mit T-Shirt und Söckchen an ihrem Schreibtisch und helfe ihr beim Auswechseln der Druckerpatrone und dem Wiederanschließen des Mousekabels. Sie lächelt dankbar und ich überlege, ob ich nicht gleich bleiben und mich nützlich machen soll. Mein Blutdruck war heute erhöht, sage ich noch kurz; was soll’s.</p>
<p>Nun aber zum angenehmen Teil des Tages: Baden, Lesen, Dösen. Als ich am Strand in Karolinenhof ankomme, herrscht fast Totenstille: den Kindern ist das Brüllen zu anstrengend, sie dümpeln wie kleine Bojen als Treibgut in der Uferzone. Umringt von Senioren, die dort nicht unterscheidbar in Zeitlupe entweder hinein- oder hinausgehen. Sie verharren, schlagen Wurzeln und treiben vermutlich noch immer mit ihren seerosenähnlichen Badekappen im Schilf. Sogar die Tölen sind angenehm unhundig, Stress machen ist ihnen zu stressig heute. Auch die kampferprobten Jugendlichen aus dem Ghetto von Altglienicke sind irgendwie „tiefergelegt“. Die üblichen Verdächtigen – notgeile, alte Lüstlinge – halten sich vollkommen zurück und brüten im Schatten vor sich hin. Nun, es ist wirklich sehr heiß. Das Wasser im Langen See hat immerhin einen helleren Grünton als der Müggelsee und ist auch nicht ganz so pisswarm und dickflüssig. Es ist eben wieder so richtig Sommer in der Stadt&#8230;</p>
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		<title>Immigrant-pa</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Jul 2010 05:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Holger Claassen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kiezspaziergang]]></category>
		<category><![CDATA[Kietzspaziergang]]></category>
		<category><![CDATA[Neukölln]]></category>

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		<description><![CDATA[Als noch Osten war, da gab‘s für mich nur Westen und das war das, was man während der SBahn- Fahrt von Plänterwald nach Treptower Park sehen konnte. Auf meinem Berliner Stadtplan war hinter der Mauer alles grau. Der sehnsüchtige Blick nach drüben verschaffte mir ein Gefühl dafür, wie nah die Ferne lag und vermittelte mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als noch Osten war, da gab‘s für mich nur Westen und das war das, was man während der SBahn- Fahrt von Plänterwald nach Treptower Park sehen konnte. Auf meinem Berliner Stadtplan war hinter der Mauer alles grau. Der sehnsüchtige Blick nach drüben verschaffte mir ein Gefühl dafür, wie nah die Ferne lag und vermittelte mir das Verständnis, dass zwischen 0 und 1 Unendlichkeit herrscht. Nach 09/11/89 war mein erster Weg ins freie Berlin natürlich nach Neukölln. Über Rudow ging‘s via U7 zum U-Bahnhof Karl-Marx-Straße.</p>
<p>Ich war überwältigt, nahe dem Kulturschock und tat jedoch gelassen. Zum Shoppen fehlte die Kohle und „Wer klaut, kricht keene Tüte“ war der Slogan der Einzelhändler. Also investierte ich an der Tankstelle einen Heiermann in ein Six-Pack gut gekühlten Kindl’s, besetzte eine Parkbank am Hermannplatz und tat, was ich auch im Osten immer getan hatte. Über 20 Jahre ist das nun her, ich bin ein alter Sack geworden und habe mich ebenso wie die Karl-Marx-Straße von Grund auf verändert. Mein Großmütterchen schleppte einst Jeans von Ost nach West, in blauen Tüten, auf denen zu lesen stand: Jeans Express, direkt am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße. So war sie mir von Kindheit an ein Begriff von Freiheit und Wohlstand. Nun hat sie ihr stolzes Gesicht verloren. Die Fassaden bröckeln, die Leuchtreklamen flackern nur noch. Verschwunden sind der „Jeans-Express“ und der „Rosinenbomber“, der kleine Schuhladen, in dem ein schwuler Pakistani akzentfrei Doc-Martens verkaufte, ebenso wie der kleine, verschmöckerte Schallplattenladen. Dafür und jetzt mittendrin zwei-drei Einkaufscenter, die den Schaufenstern der Karli das Gesicht nahmen. Einige kleine Cafés mit Bohnen- und auch Schuhverkauf haben unter dem Schutz und der blauen Leuchttafel mit der gelben Schrift überlebt, in ihnen treffen sich wollbemützte alte Damen, sie trinken ein Tässchen feine Milde zu einem Stückchen handgeriebenen Streuselkuchen.<span id="more-3336"></span></p>
<p>Ja, auch das Passage-Kino, einen der ältesten Lichtspielsäle Berlins, gibt‘s noch. Hier verkehren nur rüpelhafte Türkenkids? Fehlanzeige. Und außerdem: Die verlassenen Geschäfte geben denen eine Chance, die sonst keine haben. Hin und wieder eine Alt-Berliner Kneipe mit Original Berliner Publikum und reichlich Handy-Shops – mit Original Berliner Publikum der dritten Generation. First Try, ein Musikkaffee. Blondierte Mitvierzigerin mit lackierten Fingernägeln im Unwohlbefinden serviert zickig ein Glas lauwarmes Bitburger. Ich zahle 2,80 + 5€ Tipp, damit die alte Hexe mal lächelt und begebe mich anschließend in eine der zahlreichen Teestuben, in denen man gleichgeschlechtliche Single-Parties feiern könnte, wenn die Besucher nicht so übertrieben stolz und verklemmt wären. Ich bin ja nicht scharf drauf , denn mich stört die Anwesenheit von „Weibsvolk“ ja auch nicht. Ich lasse mich vom Chef zu einem Glas Tee überreden (Widerspruch ist sowieso zwecklos) und spiele, mich mit den anwesenden Herren unterhaltend, mit Achmed eine Partie Back Gammon. Wir reden über das, was wir in Köpenicker Kneipen auch zu reden haben, nur versteht man die Jungens hier besser. Manche von ihnen sprechen zwar mit Akzent, lallen aber nicht so.<br />
Viele schämen sich für kriminelle Ausländer, ich schäme mich für kriminelle Deutsche. Sollte man auch abschieben. Aber wohin? Und Fußball? Ja, Mesut Özil, Thomas Müller. Und erst die Brüder Altintop. Hätten sie für Deutschland spielen können, wären sie jetzt auch dabei. Von wegen, Herr Buschkowsky, Multi-Kulti klappt nicht. Man muss es schon auch wollen! In der Karl-Marx-Straße wehen an 97 % der PKW deutsche Fähnchen. Jeder vierte Neuköllner ist aus migrantem Haushalt. Alles Fußgänger oder wie?</p>
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