<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Maulbeerblatt &#187; Nicolaus Widera</title>
	<atom:link href="http://www.maulbeerblatt.com/author/nicolaus-widera/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.maulbeerblatt.com</link>
	<description>Das Kulturmagazin für den Berliner Südosten – aus dem Hause elf62.net</description>
	<lastBuildDate>Fri, 10 Feb 2012 16:40:03 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Wir sind frei</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2009/10/wir-sind-frei/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2009/10/wir-sind-frei/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 Oct 2009 14:09:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicolaus Widera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/?p=2373</guid>
		<description><![CDATA[Klimaschutz mit Vattenfall Der mitteleuropäische Homo Sapiens (sapiens = weise) ist frei. Er hat die Narrenfreiheit errungen und sich aus seiner Unmündigkeit erhoben. Heute kann er wählen zwischen Coke und Pepsi und erhält sogar eine Wahlbenachrichtigung frei Haus. Wir können uns für Atom- oder Ökostrom entscheiden, und in diesem Augenblick erleben Sie die wilden Triebe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2397" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2009/09/frei.jpg" alt="" width="460" height="296" /></p>
<p><em><strong>Klimaschutz mit Vattenfall</strong></em></p>
<p>Der mitteleuropäische Homo Sapiens (sapiens = weise) ist frei. Er hat die Narrenfreiheit errungen und sich aus seiner Unmündigkeit erhoben. Heute kann er wählen zwischen Coke und Pepsi und erhält sogar eine Wahlbenachrichtigung frei Haus. Wir können uns für Atom- oder Ökostrom entscheiden, und in diesem Augenblick erleben Sie die wilden Triebe eines Maulbeerblattes am Baum der Pressefreiheit.</p>
<p>So dermaßen freiheitsliebend freuen wir uns darüber, wenn neue Freiheiten dazukommen. Heute freuen wir uns auch über Hitze-, Zoll- und Zuckerfrei. Da sind wir sicher auch gerne CO2-frei, dachte sich eine findige Marketingabteilung und versprach uns neue Kohlekraftwerke mit diesem Sauber-Prädikat. Toll, versteinerte Dino-Kacke verheizen und das Ganze ohne Qualm in die Luft zu blasen. Der Fortschritt macht es möglich. Jesus konnte ja bereits vor 2000 Jahren übers Wasser gehen. Und wer kennt nicht diesen beliebten Party-Zaubertrick: Wasser zu Wein?</p>
<p>Wie? Geht gar nicht? Blöd nur, wenn keiner nachfragt und selbst renommierte Medien mit journalistischem Anspruch die Marketing-Schlagworte eines großen Energiekonzerns nachplappern. Jetzt nochmal langsam: Kohle + Verheizen = CO2-FREI! <span id="more-2373"></span>Wer bitte glaubt denn, dass Joghurt- Gummies nicht dick machen, weil „Ohne Fett“ draufsteht? Der Trick ist genauso billig, wie aus banalen Frei-Wörtern die großen Freiheiten zu machen. Dabei ist frei im Sinne von ohne nicht einmal zwangsläufig gut, oder wer will schon gerne spaßfrei leben? Dickmacher, wie Zucker, bleiben gerne unerwähnt. So auch ein klitzekleines Detail beim Thema CO2-frei. Da sich CO2 eben doch nicht in Luft auflösen kann, soll es stattdessen verpresst (wieder so ein schönes neues Wort für den Duden) – im Sinne von verdichtet – und in poröse unterirdische Gesteinsschichten eingelagert werden. CO2-frei meint demnach nichts anderes, als dass die CO2-Emission von der Luft in die Erde umgelenkt wird. Dahinter verbirgt sich eine perfide Logik, die man auch gut auf Atomkraftwerke hätte ausdehnen können: strahlungsfreie Atomkraft durch Verklappung in Asse.</p>
<p>Ein Narr, wer darüber denkt, das sei doch alter Wein in neuen Schläuchen. Tatsächlich wird das CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage: CO2 abscheiden und speichern) als Quantensprung in Sachen Klimaschutz verkauft. Fortschritt, indem Bewährtes fortgeführt wird, ist da kein Widerspruch. Was in Asse so gut klappt, soll nun auch auf einen Teil der jährlich 350 Mio. Tonnen CO2 – soviel produzieren deutsche Kohlekraftwerke gegenwärtig im Jahr – ausgeweitet werden. Für Kohlendioxide soll es nun abwärts in die brandenburgische Unterwelt gehen. Das ist praktisch und erspart eine stressige CO2-Vermeidung.</p>
<p>Frei sein ist schon was Tolles. Was wären wir schon ohne die Versammlungsfreiheit und die sogenannte Freizügigkeit. Letztere besagt unter anderem, dass wir die Wahl unseres Aufenthaltsorts selbst bestimmen dürfen. Dann freuen Sie sich schon mal darauf, wenn es beim nächsten Wochenendurlaub vor den Toren Berlins statt Spree-Oder-Seen-Gebiet und Oderbruch heißt: Willkommen im Endlager! Wem das Unbehagen bereitet, der kann ja stattdessen in der Lausitz wachsende Kraterlandschaften besuchen, Gedenksteine verschwundener Dörfer bewundern und in versauerten Neu-Seen baden.</p>
<p>Zum Hintergrund: Der Energiekonzern Vattenfall plant in der Region um Beeskow (Landkreis Oder-Spree) und um Neutrebbin (Landkreis Märkisch- Oderland) die Verpressung von verflüssigtem CO2 in unterirdische Gesteinsschichten. Das Verfahren wirft viele Fragen bezüglich des Umweltschutzes und der Sicherheit auf und stößt dementsprechend auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung, wie auch in anderen Gebieten, z.B. in Nordfriesland/Schleswig Holstein (der dort agierende Konzern: RWE). Zudem gibt es Bemühungen, auf Bundesebene einen entsprechenden Gesetzesentwurf zum CCS-Verfahren durchzusetzen. Der daraus resultierende Vorteil für die Konzerne: Für Folgeschäden einer Endlagerung wäre langfristig die Allgemeinheit und nicht das agierende Unternehmen haftbar.</p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><em>Mehr zum CCS-Verfahren: <a href="http://www.co2sink.org">co2sink.org</a>/<br />
Mehr zum Widerstand: <a href="http://www.co2-endlager-stoppen.de">co2-endlager-stoppen.de</a><br />
und <a href="http://www.co2bombe.de">co2bombe.de</a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2009/10/wir-sind-frei/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Raus!</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2009/05/raus/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2009/05/raus/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 15 May 2009 09:05:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicolaus Widera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maulbeertipp]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/?p=1734</guid>
		<description><![CDATA[Ja, richtig gelesen! Tür auf, Arsch raus, Tür zu! Da draußen gibt es eine Welt, die nichts mit eurer gemütlichen Couch neben Mustertapete zu tun hat. Ab Ende März ticken die Uhren wieder anders, nämlich im Takt der Sommerzeit. Dann ist es schon höchste Zeit. Da sind andere Vögel schon wieder zurück aus Afrika! Moralisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-1792" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2009/04/plumps-in-den-sommer.jpg" alt="" width="460" height="184" /></p>
<p>Ja, richtig gelesen! Tür auf, Arsch raus, Tür zu! Da draußen gibt es eine Welt, die nichts mit eurer gemütlichen Couch neben Mustertapete zu tun hat. Ab Ende März ticken die Uhren wieder anders, nämlich im Takt der Sommerzeit. Dann ist es schon höchste Zeit. Da sind andere Vögel schon wieder zurück aus Afrika!</p>
<p>Moralisch sind notorische Radfahrer, Kanuten und andere Vagabunden da klar im Vorteil, zumal wenn das Wetter auch moralisch werden sollte. Die Couchies hingegen werden es schwer haben, sich zu rechtfertigen, wenn sie jetzt nicht geistesgegenwärtig eine Arthrose vorschieben. Doch Vorsicht: Nicht jeder Einwand funktioniert. Der in Finanzkrisen beliebte Hinweis auf das verschwundene Geld, das jetzt woanders und nicht im eigenen Portemonnaie ist, hilft da wenig, denn Rausgehen geht auch barfuß und im Büßerhemd – letzteres insbesondere für jene, die jahrelang meinten, dass es eh zu spät sei, noch ein Leben jenseits der Wohnungstür zu beginnen. Tut Buße, gerne auch gleich für die vielen Sünden, die sich im Winter so angesammelt haben.</p>
<p><span id="more-1734"></span>Gelegentlich kommt die Frage nach dem Warum auf. Eine Antwort darauf braucht kein Mensch mehr, wenn er erst einmal draußen angekommen ist. Aber das zweckfreie Umherschweifen dient letztlich doch einem Zweck: dem Umherschweifen. Zusätzlich kommt es häufig noch zu anderen Nebenwirkungen wie sich wohl zu fühlen, fit und eben auch schön zu sein, denn fit macht sexy und ein harter Hintern sieht besser aus als ein weicher Bauch.</p>
<p>Und alle, bei denen der erste Versuch mal wieder schief geht, weil sie sich verirrt oder an einem Baum gestoßen haben, seien damit getröstet, dass sie die wichtigste Erfahrung von allen gemacht haben: Demut. Sie stellt sich dann ein, wenn man mal wieder feststellt, wie groß und gefährlich doch die Welt im Vergleich zu unser aller kleinen kläglichen Existenz ist. Für alle Irritierten: Demut ist ein Wort, das man im Duden nachschlagen kann. Was dort jedoch nicht steht: Demut ist eine Eigenschaft, die uns in der egozentrikfördernden Umgebung des heiligen WWW der Exhibitionisten und in den eigenen vier Wänden nur allzu leicht abhanden kommt; besonders dann, wenn man sich der permanenten Strahlung von giftig-schrillen Mustertapeten aussetzt und sich dabei von unzähligen Castingshows berieseln lässt. Dann kann es durchaus vorkommen, dass der Nebenmann plötzlich mit einer Television vor Augen von der Couch aufspringt und den festen Glauben findet: Ich bin ein Star, holt mich hier ab! Wer jetzt den irrigen Schluss zieht, die Welt hätte auf ihn gewartet und steht bereits vor seiner Haustür, um jeden Augenblick anzuklopfen, der wird spätestens nach dieser unvermeidbaren Enttäuschung eines bitter nötig haben: Rausgehen als Selbsterfahrung.</p>
<p>Allen intellektuellen Einsiedlern, die jetzt mit dem Vorwand kommen, sie hätten bei so viel geistiger Beschäftigung, die ihnen zuteil ist, gar keine Zeit, um sich aus den Schatten der Bücherregale zu wagen, denen sei mitgeteilt, dass Bewegung die Ausschüttung von Dopamin anregt. Ja und? So ein bisschen chemisches Glück kann ich gut entbehren, denn dann ist es auch nicht so traurig, wenn’s wieder verflogen ist, könnte der Einwand lauten. Aber: Dopamin steht im Verdacht, unmittelbar positiv auf die Entwicklung neuer Gehirnzellen zu wirken <span style="color: #ffff00;"><span style="color: #000000;">–</span><span style="color: #ff0000;"><span style="color: #000000;"> schlau durch Boxen oder zumindest eine Vorraussetzung dafür erreichen.</span> </span></span>Und jedem Zweifler, der jetzt an Stephen Hawking denkt, halte ich Dr. Klitschko dagegen. Schon die antiken Griechen – auch wenn sie es gelegentlich damit übertrieben haben – betonten, dass Körper und Geist zusammengehören. Man muss sich ja auch nicht gleich auf die Fresse hauen, zumal das anatomische Komplikationen mit sich bringen kann, wenn ständig die Hirnrinde an der Schädeldecke schabt. Bis zum Biergarten ist ja auch schon ein Anfang, und wer dann Angst um seine Gehirnzellen bekommt, weil er wieder einmal zuviel getrunken hat, der kann sich ja neue machen, indem er nach Hause läuft.</p>
<p>Wer sich dennoch nicht aus dem WWW wagen möchte oder noch Tipps und Anregungen für Freiluftabenteuer sucht: <a href="http://www.roadreport.de">www.roadreport.de</a></p>
<p><span style="color: #ff0000;"> </span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2009/05/raus/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zwei Köpenicker in eisigen Höhen</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2008/11/zwei-kopenicker-in-eisigen-hohen/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2008/11/zwei-kopenicker-in-eisigen-hohen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 21:14:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicolaus Widera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/?p=794</guid>
		<description><![CDATA[“Bergpunx-Aussenteam” &#8211; Von der Besteigung des Huayna Potosí Das Bergpunx–Aussenteam Tom und Herdi aus Bolivien im Mai 2008 Der Entschluss steht fest, wir wollen unseren ersten 6000er besteigen. Die erste Etappe bis ins Basecamp in 4300 m Höhe lassen wir uns von einem Taxi bringen, wo uns am Abend Donya Yola, unsere Basecamp-Mama, mit einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>“Bergpunx-Aussenteam” &#8211; Von der Besteigung des Huayna Potosí</strong></p>
<p><em>Das Bergpunx–Aussenteam Tom und Herdi aus Bolivien im Mai 2008</em></p>
<p>Der Entschluss steht fest, wir wollen unseren ersten 6000er besteigen. Die erste Etappe bis ins Basecamp in 4300 m Höhe lassen wir uns von einem Taxi bringen, wo uns am Abend Donya Yola, unsere Basecamp-Mama, mit einem ausgiebigen Mahl aus Eiern, Lamafleisch, Salat und Kartoffeln bewirtet. Ihre Tochter, die einzige bolivianische Bergführerin, leistet uns dabei Gesellschaft.</p>

<div class="ngg-galleryoverview" id="ngg-gallery-36-794">


	
	<!-- Thumbnails -->
		
	<div id="ngg-image-358" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/erick-wegner/wegner1.jpg" title=" " class="shutterset_set_36"  rel="lightbox[794]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/erick-wegner/thumbs/thumbs_wegner1.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-359" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/erick-wegner/wegner2.jpg" title=" " class="shutterset_set_36"  rel="lightbox[794]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/erick-wegner/thumbs/thumbs_wegner2.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-360" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/erick-wegner/wegner3.jpg" title=" " class="shutterset_set_36"  rel="lightbox[794]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/erick-wegner/thumbs/thumbs_wegner3.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-361" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/erick-wegner/wegner4.jpg" title=" " class="shutterset_set_36"  rel="lightbox[794]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/erick-wegner/thumbs/thumbs_wegner4.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 	 	
	<!-- Pagination -->
 	<div class='ngg-clear'></div>
 	
</div>

<br />
<span id="more-794"></span></p>
<p>Der nächste Tag beginnt mit Kaffee und Porridge. Zehn Uhr brechen wir zum Highcamp auf. Der Weg führt durch schroffes Gelände aus Geröll und Stein. Uns kommen Guides und deren Klienten entgegen. Letztere sehen müde aus und gehen wie ferngesteuert. Manche lächeln dabei glücklich und manche ähneln wandelnden Leichen. Im Camp auf 5130 m begrüßt uns der Hüttenwirt Freddy und wir lernen einen nach eigenen Angaben wegen der Höhenluft „fast toten“ Amerikaner kennen. Dazu gesellt sich ein Österreicher mit Guide und zwei Engländer. Den Nachmittag nutzen wir für einen Testlauf und proben den Notfall: Sturz in eine Gletscherspalte. Das Resultat ist vielversprechend. Ein vorbeischlendernder Guide staunt und lobt uns. Ja, jetzt fühlen wir uns gut vorbereitet!</p>
<p>Der Gipfeltag beginnt um 1:30 Uhr. Bei sternenklarem Himmel lässt der Mond den Huayna Potosi in seiner vollen Pracht erstrahlen. Zum Frühstück Porridge mit Banane und Apfel; dazu viel Tee. Um 4 Uhr, eine Stunde später als geplant, beginnt für uns die erste Besteigung eines 6000ers.</p>
<p>Die anderen Gruppen sind bereits gestartet. Nach dem Anstieg auf den ersten Sattel folgt die Querung eines Gletschers. Der zweite Anstieg führt uns auf den nächsten Sattel. Zwischen 5:30 und 6:00 Uhr passieren wir das letzte Lager auf dem Hochplateau; rechts und links große Gletscherspalten. In der Ferne leuchtet El Alto in der Dunkelheit. An einer großen Wächte (Eiswand) bekommen wir ein erstes Gefühl für die Höhe, in der wir uns bewegen. Um uns herum ein Abgrund und am Eisrand zeigen sich Löcher, durch die man in die Tiefe blicken kann. Die Wächte ist ca. 40 Grad steil bei einem Anstieg von ca. 70 m; und es soll noch steiler werden &#8211; Anders ausgedrückt: Für uns ist das &#8220;fuckingsausteil&#8221;!</p>
<p>Die Sonne geht auf. Auf 5500 m Höhe beginnt der Tag und hinter uns lauert 1000 m tiefe Dunkelheit. Leuchtzeichen am oberen Ende der Wächte. Uns kommen zwei Israelis und ein Guide entgegen. Sie haben die Besteigung abgebrochen, weil ihr schlecht ist. &#8220;1 hora al cumbre&#8221; (&#8220;1 Stunde zum Gipfel&#8221;) sagt der Guide und sichert die beiden an einem Eisnagel. Neben mir steht die völlig benommene Israelin. Ich frage: &#8220;todo bien?&#8221; (&#8220;Alles Gut?&#8221;) Sie reagiert nicht und geht mit starrem Blick weiter.</p>
<p>Die Wächte liegt nun endlich hinter uns. Wir queren riesige Spalten. Es wechseln leichte und steile Anstiege. Wir machen jetzt oft Pausen, sitzen auf unseren Knien und schnappen nach Luft. Die anderen Gruppen seilen sich bereits wieder ab. Schneeforscher und bekannte Gesichter kommen uns entgegen. Der Österreicher erzählt uns, dass er vor Glück den Tränen nahe gewesen sei, als er sich im letzten Anstieg befand und die Sonne aufging. Zuletzt kommen uns der Amerikaner und sein Guide entgegen. Der Amerikaner benimmt sich merkwürdig. Wir schauen uns mit fragendem Blick an: Ödem? Ödem! Noch eine wandelnde Leiche.</p>
<p>Nun sind wir allein hier oben. Ich fühle meine Erschöpfung: dreimal Luft holen für einen Schritt. Wir erreichen den letzten Hang. Er ist schockierend lang und steil: 250 m bei bis zu 55 Grad – „Fuck!“ Der Blick in die Tiefe ist furchteinflößend. Ich nehme alle Sinne zusammen und versuche mich auf den richtigen Halt zu konzentrieren. Hier muss jeder Schritt sitzen. Tom meint, er könne nicht mehr. Ich rufe ihm zu: &#8220;Lass uns zu dieser Kante da hochgehen und dann gucken wir!&#8221; Also noch 20 m. Kurz vor elf Uhr erreicht Tom die Kante, doch dahinter ist nix, rein gar nix! Keine weitere Steigung. Nur diese Kante und ein weiter Blick über Wolken. Das muss der Gipfel sein! Wir können es kaum glauben und fallen uns in die Arme. Riesige Freude und Erleichterung in 6088 m Höhe. Wir genießen jeden Atemzug. Die Sonne über und die Wolken unter uns, und dazu ein leichter Wind. Wir sehen die Erdkrümmung und bekräftigen Galileo: Ja, die Erde ist rund!</p>
<p>Hereinbrechende Dunkelheit über dem Orbit erinnert uns daran, wie klein wir doch sind. Uns kommt der steile Weg in den Sinn, den wir jetzt wieder absteigen müssen. Das fordert unsere Reserven und ich fange an, mich zu beklagen. Mittags haben wir es geschafft und lassen den Gipfelhang hinter uns. Mit abnehmender Höhe geht es uns besser. Wir passieren das Campo Argentino in 5450 m Höhe; doch erst als wir am letzten Hang auf das Highcamp herabschauen, realisieren wir das Erlebte.</p>
<p>Im Highcamp empfangen uns die beiden Engländer Joe und Tom. Das Highcamp ist inzwischen so voll, dass wir uns nach einer 2stündigen Schlafpause entscheiden, noch heute ins Basecamp abzusteigen. Mit letzter Kraft erreichen wir am Abend das Basecamp und haben unsere Mama Donya wieder, die sich freut, uns wiederzusehen und uns mit Leckereien verwöhnt. Dankbar für alles, schauen wir ein letztes Mal auf den Huayna, der im Mondschein leuchtet &#8211; Bergfrieden!</p>
<p><em>Aus dem Tagebuch von Thomas Dietzsch und Sebastian Herde.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2008/11/zwei-kopenicker-in-eisigen-hohen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Leben im Fünfminutentakt</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2008/11/das-leben-im-funfminutentakt/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2008/11/das-leben-im-funfminutentakt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 06:58:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicolaus Widera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maulbeertipp]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/?p=737</guid>
		<description><![CDATA[Fünf Gehminuten vom S-Bahnhof Schöneweide entfernt, beginnt Oberschöneweide auf der anderen Seite der Spree. Direkt am Spreeufer neben der Brücke ragen die Spreehöfe mit ihren gelben Klinkerfassaden in die Höhe. Weit im Wirrwarr der Hinterhöfe versteckt, gibt es im dritten Stock eine Kunstetage. Dort soll die Schaltzentrale von Janet Güttel und Ulrike Hoffmann liegen, von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Fünf Gehminuten vom S-Bahnhof Schöneweide entfernt, beginnt Oberschöneweide auf der anderen Seite der Spree. Direkt am Spreeufer neben der Brücke ragen die Spreehöfe mit ihren gelben Klinkerfassaden in die Höhe. Weit im Wirrwarr der Hinterhöfe versteckt, gibt es im dritten Stock eine Kunstetage. Dort soll die Schaltzentrale von Janet Güttel und Ulrike Hoffmann liegen, von wo aus sie etwas für Oberschöneweide ganz Absonderliches verzapfen. Es ist bereits das dritte Internationale Kurzfilmfestival, mit dem die beiden Initiatoren am 14. bis 16. November wieder neues Licht jenseits der brachialen Hollywoodstreifen in den Kinosälen der Spreehöfe erstrahlen lassen. Irgendwie passt das, denn die Spreehöfe beherbergten einst die Lampenfabrik Fister, und vom Licht zum Film ist es nicht mehr weit.<br />
Die Kunstetage entpuppt sich als familiäre Künstlerkommune. Der lange Flur ist ein wahrer Begegnungsraum. Auf dem Weg zu Janets und Ulrikes kleinem Büro treffe ich lauter nette Menschen, die ich kurz darauf beim Vornamen nennen kann; darunter auch zwei Filmemacher: Fabio Dentella und Dave Lojek, letzterer von Kino Berlino. Janet (39) und Ulrike (42) liegen vom Alter nicht weit auseinander und haben sich im Kindergarten kennen gelernt. Das war vor drei Jahren. Da waren sie beide bereits Mütter. Neben den Kindern haben sie weitere Gemeinsamkeiten, z.B. in Oberschöneweide wohnen und gleichzeitig nicht in Berlin geboren sein. Janet kommt aus Schwedt an der Oder und Ulrike aus Garmisch-Partenkirchen im Allgäu.</em></p>
<h3>„Da mach ich halt mein eigenes Festival!“</h3>
<p><span id="more-737"></span></p>
<p>Nach Berlin kann man sich schon mal verirren – so was kommt vor. Aber wie kommen denn nun Janet und Ulrike zum Kurzfilm? Hier kommt wieder der Kindergarten ins Spiel, wo sich die beiden ja bereits im Jahr 2005 kennen gelernt hatten. Bei dieser Gelegenheit kamen die beiden Frauen miteinander ins Gespräch. Ulrike richtete zu jener Zeit eine Fotoausstellung aus und Janet machte bereits seit den Neunzigern mit Freunden Kurzfilme. Da zwischen Fotografie und bewegten Bildern nun auch keine Welten liegen, nahm der Gedanke, da etwas Gemeinsames machen zu wollen, schnell konkretere Formen an. Als dann im selben Jahr ein Kurzfilm von Janet bei drei verschiedenen Festivals abgelehnt worden war, weil man dort die finanziell besser ausgestatteten Streifen der Hochschulen vorzog, war das Fass übergelaufen. Frustriert sagte sich Janet: „Da mach ich halt mein eigenes Festival!“ Was eben noch vielleicht halb im Spaß dahergesagt war, nahm jedoch bald die Ausmaße eines tragfähigen Konzepts an, dass auch der Aktionsfond Oberschöneweide mit einer Fördersumme honorieren wollte. Janet und Ulrike wollten ein Festival für Kurzfilme machen, wo eben auch die Low- und No-Budget-Filme eine Chance hätten, gezeigt zu werden, wenn sie denn nur gut sind. Sie wollten der Dominanz der finanziell gut ausgestatteten Hochschulproduktionen, die nicht selten mit für Normalsterbliche unerreichbare Summen zwischen 10.000 bis 30.000 Euro unterstützt werden, etwas entgegensetzen. Mit Frau Weller und dem benachbarten Kino in den Spreehöfen war die perfekte Kooperation für den Austragungsort gefunden und der Filmaufruf brachte bereits im ersten Jahr eine Menge Filme ein. Damit war das Kind aus der Wiege gehoben – Oberschöneweide sollte sein eigenes Internationales Kurzfilmfestival bekommen.</p>
<h3>„Medienkompetenz statt Fernsehkonsum“</h3>
<p>Von Beginn an stand ebenfalls fest, dass eine Sparte vertreten sein sollte, die es so bisher noch bei keinem der bekannten Kurzfilmfestivals gab und dem Oberschöneweider Kurzfilmfestival ein Alleinstellungsmerkmal verlieh, der Kinderfilm. Das besondere dabei, Kinderfilme werden hier auch von Kindern gemacht. Diesem Credo folgend, war es den Müttern insbesondere wichtig, Kinder zu aktiven Filmemachern zu erziehen, statt sie als passive Fernsehgucker abzustellen. „Medienkompetenz statt Fernsehkonsum“, bringt es Ulrike auf den Punkt. Weil so etwas aber nicht ohne Anleitung geht, wurde eine medienpädagogische Werkstatt namens „Spreefilmkinder.de“ ins Leben gerufen, wie es sie bisher hier in Oberschöneweide noch nicht gegeben hatte. Seitdem können Kinder hier ihre ganz eigene Sicht der Dinge filmisch umsetzen. „Kinder bilden im Unterschied zu erwachsenen Filmemachern ungefiltert ab“, sagt Ulrike. Bei den jüngeren Kindern sind das oft noch Spielwelten, die bei den älteren Kindern aber schnell durch die Thematisierung von Problemen ersetzt werden. Mittlerweile wird auch die Stelle einer Medienpädagogin finanziell gefördert, die in diesem Jahr bereits fünf erfolgreiche Filmwerkstätten mit Kindern durchführen konnte, bei denen inzwischen auch die Kinder von Ulrike und Janet mitmachen. Am Kurzfilmfestival selbst nehmen insbesondere Schulen mit ihren Beiträgen teil. Für die ersten drei Plätze gibt es sogar Geldpreise, aber das Beste an so einem Festival ist für Kinder wie die großen Filmemacher gleichermaßen, den eigenen kleinen Film einmal auf großer Leinwand zu erleben.</p>
<h3>„Resozialisierungszone für Ex-Knackis“</h3>
<p>Aus der beschützten Welt Garmisch-Partenkirchens nach Oberschöneweide aufzubrechen, ist schon ein gewisser Kontrast, muss Ulrike einräumen. Das nun gerade das schnöde Oberschöneweide ein Kurzfilmfestival bekommt, mag überraschen, hat aber einen besonderen Grund, wie Janet und Ulrike offenbaren. Sie beginnen davon zu erzählen, dass Oberschöneweide vor der Wende als eine Art Resozialisierungszone für „Ex-Knackis“ diente, um sie von hier als Arbeiter in die Industrie einzuschleusen. Derartige Einflüsse finden sich zum Teil bis heute in signifikantem Maße in der Bevölkerungsstruktur von Oberschöneweide wieder. Zwar gibt es hier heute auch die aufstrebenden Produktionsparks mit kreativem Output, doch die dortigen Mitarbeiter „kennen zwar den Weg nach Schöneweide, wohnen aber in Prenzlberg oder sonst wo“, mussten Janet und Ulrike feststellen. Im Ergebnis ist in Oberschöneweide nix los und das kulturell-geistige Leben verkümmert. „Da wollen wir was entgegensetzen“, sagt Ulrike entschlossen. Es geht darum, Licht ins Dunkel zu bringen, und manchmal ist das gewissermaßen auch ein bisschen wie den Lichtschalter für „Unterbelichtete“ umlegen.</p>
<h3>„Esprit!, Und nicht so’n Beziehungsquatsch“</h3>
<p>Der Zuspruch ist jedenfalls so groß, dass mittlerweile das dritte Festival ansteht. „Nach dem Festival ist vor dem Festival“ ist bei Ulrike und Janet längst zur Devise geworden. Organisiert wird ein dreiviertel Jahr im voraus. Neben dem Janet-Ulrike-Kernteam kommen jede Menge Freunde und Bekannte dazu, die selbstlos hier und dort mithelfen, jemanden kennen, der jemanden kennt, usw. Zum Glück konnte das Festival Sponsoren gewinnen; in diesem Jahr sind das die Aktion Mensch – Die Gesellschafter, das Bezirksamt Treptow-Köpenick und wieder der Aktionsfond Oberschöneweide. Verdient hat dabei aber bisher keiner etwas. Es wäre schon ein unverhoffter Erfolg, wenn vielleicht das Geld für den nächsten Flyerdruck überbleibt. „Dann im August beginnt die heiße Phase“ sagt Janet, denn dann trudelt das Gros der Filmbeiträge ein, die im Vorfeld angeschaut und beurteilt werden müssen.<br />
Auf die Frage, was denn einen guten Kurzfilm ausmacht, ruft Janet ohne zu überlegen „Esprit!“, „Und nicht so’n Beziehungsquatsch“ ergänzen beide weiter und schauen sich dabei vielsagend an und grinsen. Diverse Negativbeispiele gab es in der Vergangenheit offenbar einige. Einen ganz schlechten Stand haben skurrile „Selbstbeweihräucherungen“ bei den Frauen, die immerhin zuletzt auch die Auswahl der Filme treffen, die dann tatsächlich im Rahmen des Festivals laufen werden. Allerdings steigern sich Qualität und Niveau der eingesendeten Streifen kontinuierlich. „Dieses Jahr müssen leider erstmals auch richtig gute Filme draußen bleiben“, bedauert Janet. Die Menschen haben etwas mitzuteilen. Gerade gesellschaftliche Probleme und Randgruppen werden oft thematisiert. Letztes Jahr war das Thema Tod überdurchschnittlich hoch vertreten und dieses Jahr ist es das Altwerden. Passend zum Sponsor „Aktion Mensch“ werden auch Filme eingeschickt, die das Leben mit einer Behinderung thematisieren. Besonders beeindruckende Beispiele sind die Werke zweier selbst betroffener Filmemacher, die in ihren Filmen auf ungewöhnliche Weise einen Zugang zu ihrem Leben als autistischer bzw. einarmiger Mensch schaffen und dem Zuschauer neue Perspektiven erlauben. Die ausländischen Beiträge hingegen reflektieren noch einmal ganz andere Probleme, die dem gemeinen Mitteleuropäer zum Teil unbekannt sind. Solche Dinge werden dann entweder schonungslos drastisch und nicht selten mit Schockeffekt abgebildet, oder – ein besonderes Faible der Osteuropäer – bitter und tragikkomisch verarbeitet, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.<br />
International ist das Festival bereits seit seiner ersten Stunde. In diesem Jahr gehen die Beiträge auch weit über den europäischen Raum hinaus. Es liegen bereits die Bewerbungen von Filmemachern aus so exotischen Ländern wie Australien, Neuseeland und dem Irak vor. Die Auswahl an Filmbeiträgen wird dementsprechend immer größer. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Anzahl der eingesendeten Arbeiten ständig zugenommen hat. Im Jahre 2006 bewarben sich Filmemacher mit insgesamt 176 Werken und dieses Jahr ist die 300er Marke bereits erreicht. Das spiegelt sich auch im Spektrum der Genres wieder. Von technisch, experimental und Animationen bis zur Dokumentation ist alles vertreten, so dass es für die Zukunft notwendig zu werden scheint, separate Sparten innerhalb des Wettbewerbs aufzutun. Das Filmfestival könnte bereits in diesem Jahr locker die doppelte Zeit – also vier bis fünf Abende – mit gutem Material bedienen.</p>
<h3>„Zehn Minuten sind eine ideale Länge; da kann man alles Wichtige reinpacken“</h3>
<p>„Vielleicht können wir dieses Jahr sechzig Filme zeigen“ meint Janet und ergänzt, „wenn es gut läuft, sogar bis zu hundert“. Insgesamt stehen jedoch für die beiden Hauptabende jeweils nur drei Stunden zur Verfügung. Hinzu kommt der Kinder- und Jugendteil. Einen Zuschlag wegen Überlänge muss hier aber niemand fürchten. Der Festivalpass fürs ganze Wochenende kostet schlappe fünf Euro und Filme gibt’s dafür im Fünfminutentakt. Das mit dem Takt kann jedoch noch niemand so genau sagen, denn ein Film gilt als Kurzfilm, wenn er nicht länger als dreißig Minuten ist. Den beiden Veranstalterinnen ist ein Mittelmaß von zehn Minuten am liebsten; „Zehn Minuten sind eine ideale Länge; da kann man alles Wichtige reinpacken“, sagt Janet.<br />
„Was ist eigentlich so toll am Kurzfilm, und was hebt ihn gegenüber dem regulären Spielfilm hervor?“, traue ich mich zum Schluss des Gespräches noch ganz täppisch zu fragen. Janet und Ulrike schauen mich mit begeisterten Augen an und beginnen sich gegenseitig die Stichworte zuzuspielen: „Es ist die konzentrierte Message“, die „Reduzierung aufs Wesentliche“. Zuletzt ist die Fotografin ganz in ihrem Element angekommen: „Die starken Bilder, die erzeugen einen starken Eindruck“. „Der Kurzfilm ist pointiert“, lautet das gemeinsame Fazit. Und einer, der es wissen muss, sagte einmal etwas so oder so ähnlich, wie das Janet nun in pathetischen Worten wiedergibt: „Der Kurzfilm kann alles, was der Langfilm kann, und manchmal noch viel mehr.“</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2008/11/das-leben-im-funfminutentakt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vom Spreetunnel zur Spreequelle</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2008/09/vom-spreetunnel-zur-spreequelle/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2008/09/vom-spreetunnel-zur-spreequelle/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Sep 2008 09:39:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicolaus Widera</dc:creator>
				<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/?p=606</guid>
		<description><![CDATA[oder Ein Weg am Ende des Tunnels Radfahren auf deutschen Straßen ist schon längst nicht mehr eine Frage des Wagemuts. Unter dem Eindruck von Unfallstatistiken und Tourismusmarketingstrategien hat sich in den letzten Jahren viel getan. Der unternehmungsfreudige Berliner kann es heutzutage auch ohne erhöhtes Risiko für Leib und Leben wagen, eine Radtour direkt ab der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em> oder Ein Weg am Ende des Tunnels</em></p>
<p>Radfahren auf deutschen Straßen ist schon längst nicht mehr eine Frage des Wagemuts. Unter dem Eindruck von Unfallstatistiken und Tourismusmarketingstrategien hat sich in den letzten Jahren viel getan. Der unternehmungsfreudige Berliner kann es heutzutage auch ohne erhöhtes Risiko für Leib und Leben wagen, eine Radtour direkt ab der Haustür zu planen.<br />
Kennen Sie den Spreetunnel? Selbstverständlich? Sehr gut! Dann kramen Sie doch mal wieder Ihre angestaubten Campingutensilien mit Töpfchen, Kocher und Zelt hervor, packen die obligatorische Reise-Magerkost und Flickzeug ein, checken noch einmal Ihren treuen Drahtesel und verabreden sich mit Freunden für den nächsten Morgen am besagten Ort! Wenn nun alle noch ein paar Tage Zeit mitgebracht haben, dann können Sie jetzt weit kommen.</p>
<p><span id="more-606"></span><br />
Der Spreeradweg liegt für Friedrichshagener sozusagen vor der Haustür und ist wie das Sortiment eines Gemischtwarenladens: Für jeden etwas dabei. Mal summen die Reifen über eine glatte Asphalttrasse, dann wieder poltern die Räder über schummrige Waldwege und Rallyepisten. Was so gemütlich am Stadtrand Berlins beginnt, kann zu einem echten Radmarathon bis an die Grenzen Deutschlands werden. Stadtauswärts geht es über Erkner und das typisch brandenburgische Binsenbummler-Terrain der Spreeseen. Gelegentlich führt der Radweg an einer Autostraße entlang oder gar auf ihr. Derartige Etappen halten sich jedoch in Grenzen; wobei – mit Verlaub – das bisschen Autoverkehr für hartgesottene Berliner keine Angstprobe sein dürfte. Meist bewegt sich der Radweg jedoch im „Grünen Bereich“, denn die Trasse lässt keines der am Wegesrand liegenden Naturhighlights aus, sondern leitet sicher mitten hindurch. Das macht Lust auf mehr Abenteuer, und die kann der abenteuerlustige Nimmersatt gerne bekommen, denn beim Spreeradweg handelt es sich nämlich um einen der beliebtesten Fernradwege Deutschlands. Von Friedrichshagen sind es immerhin 400 Kilometer, die bis in den südöstlichsten Zipfel Sachsens zu den Spreequellen führen.</p>
<div class="ngg-galleryoverview" id="ngg-gallery-31-606">


	
	<!-- Thumbnails -->
		
	<div id="ngg-image-322" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/wolfrot-coverversion.jpg" title=" " class="shutterset_set_31"  rel="lightbox[606]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thumbs/thumbs_wolfrot-coverversion.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-321" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/wasgehtab2.jpg" title=" " class="shutterset_set_31"  rel="lightbox[606]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thumbs/thumbs_wasgehtab2.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-319" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/razor.jpg" title=" " class="shutterset_set_31"  rel="lightbox[606]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thumbs/thumbs_razor.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-320" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thepack_01.jpg" title=" " class="shutterset_set_31"  rel="lightbox[606]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thumbs/thumbs_thepack_01.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-318" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/pigs.jpg" title=" " class="shutterset_set_31"  rel="lightbox[606]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thumbs/thumbs_pigs.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-317" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/otcto_01.jpg" title=" " class="shutterset_set_31"  rel="lightbox[606]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thumbs/thumbs_otcto_01.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-315" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/cover.jpg" title=" " class="shutterset_set_31"  rel="lightbox[606]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thumbs/thumbs_cover.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 		
	<div id="ngg-image-314" class="ngg-gallery-thumbnail-box"  >
		<div class="ngg-gallery-thumbnail" >
			<a href="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/affe_01.jpg" title=" " class="shutterset_set_31"  rel="lightbox[606]">
								<img title=" " alt=" " src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/gallery/gogoplata/thumbs/thumbs_affe_01.jpg" width="80" height="80" />
							</a>
		</div>
	</div>
	
		
 	 	
	<!-- Pagination -->
 	<div class='ngg-clear'></div>
 	
</div>

<p>Auf dem Weg über Fürstenwalde und Beeskow nimmt man nebenbei noch die Klassiker der Südbrandenburgischen Seenlandschaften mit. Leider ist die Beschilderung um Scharmützel- und Schwielochsee nicht immer eindeutig. Eine Vielzahl möglicher Alternativrouten stiftet an mancher Kreuzung Verwirrung. Doch was ist ein echtes Abenteuer schon ohne das obligatorische Kartenlesen! Wer es in Groß Wasserburg aber trotzdem noch nicht mitbekommen haben sollte, der wird spätestens in Schlepzig feststellen, dass der Radweg nun die verworrene Wasserwelt des Spreewalds erreicht hat. Am Wegesrand liegen diverse Paddelboote zum Verleih bereit und es werden Kahnfahrten angepriesen, die auch als Shuttleservice für müde Radfahrer nach Lübben genutzt werden können. Ab jetzt kann es vorkommen, dass unverhofft neben dem Radweg Paddel aus den Wiesen aufragen.<br />
Ab Lübben sollte man entweder präzises Kartenmaterial benutzen oder sich einfach von der Vielfalt des Radwegenetzes leiten lassen. Ähnlich wie die unzähligen Spreefließe tragen auch die Radwege hier allerlei schillernde Namen. Doch vom Spreeradweg verliert sich im Wege-Wirrwarr jede Spur. Als Orientierung genügen im Spreewald jedoch durchaus die Beschilderungen zu den nächstgrößeren Orten wie Lübbenau, Burg etc. aus. Hinter Burg endet der Spreewald, aber die Naturidylle setzt sich mit einer einsamen Etappe durch Spreewiesen fort. Trotz derartiger Verwöhnungen ist die Ankunft in der nächsten Stadt – es ist nach Berlin die zweitgrößte auf der Strecke – kein Grund zur Scheu, denn in Cottbus ist es vorbildlich gelungen, den Radweg in das Stadtgefüge zu integrieren. Gemessen an der Ausdehnung der Stadt ist es schon eine außerordentliche Tatsache, dass der Spreeradweg fast ausschließlich am Fluss entlang führt. Hier kommt es dem Radweg zugute, dass sich Cottbus seinem Fluss zugewendet hat. Überhaupt ist der Weg ab dem Spreewald ungewohnt radfahrerfreundlich. Es folgen fast ausschließlich Strecken, die nur für Radfahrer und Fußgänger vorgesehen sind. Meist sind das richtige Radrennpisten, die auf den Hochwasserdeichen der Spree verlaufen. Nur selten werden herkömmliche Autostraßen einbezogen; und wenn doch, dann sind diese nur wenig befahren. Dazu finden sich eine Vielzahl von Pensionen und Campingplätzen am Wegesrand. Die touristische Infrastruktur ist auf ganzer Strecke gut entwickelt und bietet neben dem Biwak genügend weitere Möglichkeiten für eine Übernachtung.<br />
Diese Eigenschaften machen den Spreeradweg im Lausitzer Tiefland uneingeschränkt familientauglich. Zwischen Uhyst und Bautzen wird die Beschilderung jedoch zunehmend nachlässig. Ohne Landkarte kann man in der ungewohnt bergigen Landschaft schnell schlechte Laune bekommen, denn ein Umweg impliziert hier oft auch die schmerzliche Erkenntnis, auf dem falschen Berg zu sitzen. Selbst Kinder hören nicht gern, dass sie sich eben umsonst einen Anstieg hinaufgequält haben. Bereits kurz vor Bautzen hinter der Talsperre wird es nötig, mit ganzem Gewicht in die Pedalen zu steigen. Hier beginnt der Spreeoberlauf und der Radweg klettert ins Oberlausitzer Bergland. So manchem Berliner Plattlandbewohner mögen die nun folgenden Strapazen unerhört erscheinen, doch die Mühen werden vom Erlebnis eines abwechslungsreichen Spreetals belohnt. Es ist eine andere Welt. Nichts mehr von der weiten, ausgeräumten Landschaft zwischen Berlin und Cottbus. Felsige Kanten reichen in den Schluchten bis an den Radweg oder saftiggrüne Berghänge ziehen sich beiderseits des Baches hin, der die junge Spree hier oben noch ist.<br />
Bei einem kontinuierlichen Höhenanstieg mit gelegentlichen Talfahrten erreicht der Radweg den abgelegenen Landkreis Löbau-Zittau. Berlin ist hier weit weg. Die Dörfer am Wegesrand waren zum Teil schon einmal „böhmische Inseln“, wie es der Volksmund gerne mit rollendem „R“ und einem gewissen Stolz angesichts dieser historischen Kuriosität berichtet. Schirgiswalde beispielsweise war 36 Jahre lang bis 1809 eine böhmische Enklave in Sachsen. Der Grund: territoriale Uneinigkeiten zwischen der sächsischen Krone und den Habsburgern. Die Menschen hat’s gefreut, denn die konnten dadurch leicht dem in Sachsen verbotenen Lottospiel frönen, und der Schmuggel belebte das Geschäft. Kurioses gibt es hier aber auch heute noch, denn wer die Spreequelle sucht, findet unter Umständen gleich drei. Heute ist es jedoch allgemeiner Konsens, dass die Hauptspreequelle bei Eibau am Berg Kottmar unweit der tschechischen Grenze liegt. Dort endet auch der Spreeradweg nach einem finalen Anstieg im Wald. Wer dann auf diesem Berg am Rande von Deutschland steht, verwirrt auf das kleine Rinnsal starrt, das die Spree sein soll und sich fragt, ob das jetzt alles war, der sollte über eine neue Strategie nachdenken. Keine zwanzig Kilometer von hier entfernt liegt Zittau. Dort kann man die ganze Chose noch einmal umgedreht durchmachen: Auf dem Oder-Neiße-Radweg von den Bergen runter zum Meer – oder irgendwo hinter Guben abbiegen nach Berlin.<br />
Hinweis: Entgegen der angeblich allgemeinen Praxis kann der Spreeradweg bei durchschnittlicher Kondition auch problemlos spreeaufwärts gefahren werden. Dafür sollten bei durchschnittlichen Tagesetappen von hundert Kilometern drei Tage für das Tiefland zwischen Berlin und Uhyst und – bedingt durch das Höhenprofil – zwei Tage für das Bergland eingeplant werden. Für Leute, die auch im Sommer nie in der Spree baden würden, sind die Spreequellorte aber auch per Bahn erreichbar.</p>
<p><em>Beim Biwakieren handelt es sich übrigens um eine rechtliche Grauzone in Deutschland. Andere Staaten, konkret die Schweiz und die skandinavischen Länder – ausgenommen Dänemark – haben dafür ein auf Traditionen beruhendes Gewohnheitsrecht, das „Jedermannsrecht“. In Deutschland hingegen sind dementsprechende Regelungen Ländersache und fallen dementsprechend von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich aus. Dabei wird gelegentlich ein Unterschied gemacht, ob man im Zelt oder unter freiem Himmel nächtigt. Ausschlaggebend ist in der Regel, wo und für wie lange man biwakiert. Alle in irgendeiner Form als Naturschutzgebiet klassifizierten Gebiete und in der Regel auch Wälder sind ein klares „No Go“. Für ein offenkundig privates Gelände ist wiederum das Einverständnis des Besitzers einzuholen. Da der jedoch nicht immer auffindbar ist, gibt es beispielsweise im Mecklenburger Havelseengebiet eine Regelung in Form einer abgeschwächten Variante des „Jedermannsrecht“, die im Zweifelsfall das Aufstellen eines Zeltes für eine Nacht erlaubt. Derart liberal geht es jedoch nicht überall zu. Im individuellen Fall ist es Ermessenssache jedes Einzelnen, ob der sich zum Abenteuer Biwak entschließt. Wer biwakiert, steht damit jedenfalls nicht alleine, denn in der allgemein üblichen Praxis haben sich dieses Gewohnheitsrecht hierzulande bereits bundesländerübergreifend insbesondere Angler und Paddler angeeignet.<br />
</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2008/09/vom-spreetunnel-zur-spreequelle/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

