<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Maulbeerblatt &#187; Marcel Piethe</title>
	<atom:link href="http://www.maulbeerblatt.com/author/marcel-piethe/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.maulbeerblatt.com</link>
	<description>Das Kulturmagazin für den Berliner Südosten – aus dem Hause elf62.net</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 23:56:09 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>&#8217;ne dicke Henne, die mit Eierpampe wirft</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2012/01/ne-dicke-henne-die-mit-eierpampe-wirft-2/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2012/01/ne-dicke-henne-die-mit-eierpampe-wirft-2/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 22:51:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcel Piethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zeitreisen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/2012/01/ne-dicke-henne-die-mit-eierpampe-wirft-2/</guid>
		<description><![CDATA[Zu Helga Hahnemann im Schnelldurchlauf Bauzäune säumen den Weg. Müll knöcheltief. Zwischen Bauruinen und Sanierungsobjekten lärmt es von der Friedrichstraße herüber. Über die Brache zieht ein kalter Novemberwind. Irgendwer verdient hier nebenan auch gutes Geld mit Parkgebühren. Auf dem Schild steht „Helga-Hahnemann-Straße“. Und zumindest daraus darf man die Sicherheit gewinnen, nicht zeitversetzt zu sein, nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium" title="wpid-helgah_fmt.jpeg" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2011/12/wpid-helgah_fmt-460x350.jpg" alt="’ne dicke Henne, die mit Eierpampe wirft" width="460" height="350" /></p>
<p><em>Zu Helga Hahnemann im Schnelldurchlauf</em><br />
Bauzäune säumen den Weg. Müll knöcheltief. Zwischen Bauruinen und Sanierungsobjekten lärmt es von der Friedrichstraße herüber. Über die Brache zieht ein kalter Novemberwind. Irgendwer verdient hier nebenan auch gutes Geld mit Parkgebühren. Auf dem Schild steht „Helga-Hahnemann-Straße“. Und zumindest daraus darf man die Sicherheit gewinnen, nicht zeitversetzt zu sein, nach Berlin, Hauptstadt der DDR, anno 1989 oder so. Damals wäre es der verfügungsgewaltigen Behörde sicher nicht in den Sinn gekommen, eine ihrer vielen maroden Straßen nicht nach hehren Klassenkämpfern oder sozialbewegten Weibern zu benennen.</p>
<p><span id="more-5286"></span></p>
<p>Ein gutes Jahrzehnt später, im Jahre 2003, der Regierende der Stadt war wie diese selbst ein nach allen Himmelsrichtungen offener Mann geworden, konnte es durchaus geschehen, ein Stück Stadtland zu verspaßen und namentlich einem der beliebtesten Spaßvögel Berlin, der Henne, zu übereignen.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Gewiss hätte die Henne einen spitzen Laut gefunden, auf das stadtplanerische Dilemma rund um ihre kleine Straße. Und die Leute hätten gelacht. Denn das konnte die Henne, wie es nur wenige können: die Leute zum Lachen bringen. Quer durch die Reihen. Vom Oberlehrer bis zum Gullytieftaucher.</p>
<p>Bereits in jungen Jahren hatte sie ihre Absicht der Mutter verkündet: „Ick werde Quatschmacher.“ Da war sie vier und man schrieb das Jahr 1941, sie lebte in Pankow und bald sollte von der großen Stadt, deren Herz sie auf der Zunge trug, nicht viel mehr als eine Trümmerwüste übrig sein. Wenig lachhaft.</p>
<p>Und weil es so wenig zu lachen gab in den nächsten Jahren, schickt sich die 19-jährige Helga Hahnemann an, ihren Beitrag zum Aufbau einer neuen, einer bunten Welt zu leisten. Man möchte sagen, sie rührte als Schauspielschülerin in Niederschöneweide drei Jahre lang an, was bald in einem bunten Kessel zum Brodeln kommen sollte. Doch bevor die Klamauknudel gar war, ging sie durch die harte Leipziger Pfeffermühle des politischen Kabaretts. Ein heißer Kampf um die Köpfe wurde im Kalten Krieg mit dem modernsten Waffensystem einer früheren Neuzeit, dem Fernsehen, geführt. In Ost-Berlin hatte man schnell erkannt, dass das Mädel im sächsischen Tal der Ahnungslosen verloren ist und holte sie kurzerhand in die nun mauerdurchtrennte Frontstadt Berlin. Hier trat die Hahnemann im Deutschen Fernsehfunk in 30 Folgen der Kabarettserie „Tele-BZ“ auf. Schnell gackerten ein paar Millionen zwischen Rügen und Erzgebirge mit, wenn die Hahnemann ziemlich intelligenten Stuss von sich gab.</p>
<p>Die Einheitsgewerkschaft der DDR, der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund FDGB, dankt ihr das launige Ablenkungsmanöver vom Arbeiter- und Bauernalltag mit dem Kunstpreis, ihrem ersten.</p>
<p>1964: Ingrid Ramso alias Helga Hahnemann heißt die junge Frau, die in dem Criminal vom „Tresorknacker“ ihre Künste auch dem Fernsehfilmpublikum zum Besten gibt. Und auch wenn die Hahnemann wie in manchen Folgen des Polizeiruf 110 zeigen wird, dass sie ernst machen kann, liebt sie das Publikum für ihre kesse Schnauze.</p>
<p>1974: Die Hahnemann lernt Angela Gentzmer kennen, die 17 Jahre lang an ihrer Seite als Autorin von Liedern und Sketchen stehen wird. Ein Dreamteam, denen die „Traudl Schulze“ geboren wird. Nein, alles ganz in Ordnung! Traudel ist Diplomraumpflegerin und als solche scheinbar auf die Fernsehwelt gekommen. Mit ihr spricht die Hahnemann als Stimme des kleinen Mannes.</p>
<p>Das tut sie nur als Traudel oder wenn sie Maxe Baumann nachsteigt oder Geschichten mit Tieren macht. Sie ist gar großzügig und verleiht ihre Unverkennbarkeit, ihre Stimme: an Yvonne – zum Schrecken von Egon, Benny und Kjekd, der gesamten Olsenbande – und zum Hochvergnügen ihres Publikums.</p>
<p>Das Publikum bei Laune halten ist allein ihre persönliche – und zutiefst ehrliche – Devise. Exklusiv hat sie das nicht. Denn auch die kulturpolitischen Zensoren wissen um die Kraft durch Freude. Und lassen der Henne den einen oder anderen Scherz durchgehen, für den andere ne ordentliche Abreibung erwarten hätten dürfen.</p>
<p>Im Gegenteil ist Ende der 70er Jahre – Biermann darf mittlerweile sein Konzertpublikum ausschließlich westlich der Elbe beglücken –so richtig Dampf im Kessel oder im Topp, wo die Musike herausquillt. Jeden zweiten Samstag, bevor es endlich mit Krawall losging auf den Oberliga-Fußballplatz, habe ich mich mit Mama über ihr dummes Gegacker zwischen Maschines Geröhre und Tamaras Gekrächz beeiert. Danke dafür, Henne!</p>
<p>Was dem Berliner Rundfunk recht, war dem Fernsehen dreimal billig. Und weil die Topp-Musike auch dort gut ankam, dampfte die Hahnemann auch durch den Kessel Buntes. Mit Köfer und Emmerlich, mit Alfred Müller und Jiri Korn, mit Dagmar Frederic und Roberto Blanco geigelte die Henne, tanzte, steppte und moderierte, was das Zeug nur aushalten konnte.</p>
<p>Und wer von der Dröhnung noch nicht genug hatte, der konnte ihre Stimme von Vinyl abspielen – Stund’ auf Stund’. Drei ganze Langspielplatten voll im Stile von olle Hugo und seine Süße. „Sie konnte keine einzige Note, traf aber immer den richtigen Ton.“</p>
<p>Den muss Big Helga, die im Volke so beliebt war wie beleibt, getroffen haben, als sie im September 1988 dem SED-Chefideologen Kurt Hager ihr Verlangen eines Auftrittes in der RIAS-Schlager-Parade mitteilte mit dem Vermerk: „Ich gestehe, dass ich es ein wenig Leid bin, vor jedem meiner Auftritte außerhalb unserer Grenzen so viele Hürden überspringen zu müssen – um im Olympischen Sprachgebrauch zu bleiben.&#8221; Der Brief endet: „Mit den besten Grüßen / Ihre größte Quasselstrippe von Berlin, Helga Hahnemann.&#8221;</p>
<p>Sie durfte zum RIAS-Konzert fahren und in der Deutschlandhalle singen. Und sie kam zurück. Etwas verspätet zwar. Aber sie kam. Ihre launige Rückkehr aus Westberlin, so wird berichtet, soll sie, am geschlossenen Grenzübergang angekommen, mit dem Ruf: „He, ihr Eierköppe, macht mal hier auf, ich will nach Hause!&#8221; kundgegeben haben.</p>
<p>Und auch privat lebte die Hahnemann aus dem Vollen: „Lieber lichterloh brennen als langsam verglühen&#8221;, war ihr Motto. Sie rauchte wie ein Schlot, aß von allem, was ihr schmeckte, bis nicht viel mehr ging, liebte vom Leben alles mit der Lust des letzten Mals.</p>
<p>Ein Mann allein konnte das nicht mithalten. Ihre Beziehung zu dem Regisseur Ralf Thieme zerbrach nach 15 Jahren. Die Trennung schmerzte die Frau, die ohne eigene Kinder blieb. Als Mann war fortan nur ein Robert Redford ihr Idol.</p>
<p>Und die Hahnemann ackerte – buchstäblich bis zum Umfallen. „Wenn jemand uff de Straße zu mir sagt: ‚Helga, weiter so!’ – dit isset, eh!&#8221; Und angesprochen wurde sie. Bei Bäcker Petersick in Schöneiche unterhielt sie die Leute in der Warteschlage. Dort um die Ecke wohnte sie in ihrem Haus, wo sie eine Garage zum Ballettraum umgebaut hatte. Sie musste auch hier trainieren für ihr Publikum. Und fand sie einen Winkel, der ihr Momente der Ruhe bot, wurde mit der Katze geschmust und in der Küche gebacken und gebraten.</p>
<p>Als mit dem Jahr 1990 eine neue Zeit anbrach, musste auch die Entertainerin im Extraformat ein paar Klinken putzen gehen. „Kennen wir nicht – brauchen wir nicht“, dass erfuhr auch die Hahnemann, die ihr erfolgreiches Gastspieldebüt im Berliner Westen bei den Wühlmäusen 1988 gegeben hatte. Aber die Türen, durch die sie wollte, öffnete sie sich. Jetzt noch einmal. Als es am 5. Mai 1990 „Guten Abend, Deutschland“ hieß, das Fernsehen der DDR und das ZDF in ihrer Gemeinschaftsproduktion 25 Millionen Zuschauer ereichten und mit Thomas Gottschalk und Frank Elstner im Berliner Friedrichstadtpalast das Publikum begrüßten, war die „Henne“, wie sie seit eh und je bei ihren Fans hieß, mit dabei.</p>
<p>Zu dieser Zeit trug sie die Erkrankung schon in sich. Doch sie wollte von ihrem Lungenkrebs nichts wissen, und schon gar nicht sollte das ihr Publikum. „Die Leute sollen doch sagen: „Dabei war se kernjesund, als se starb.“</p>
<p>Am 20. November 1991 ist Helga Hahnemann gestorben. Und doch hört man die Henne noch heute gackern. Am vernehmlichsten wohl, wenn sich seit 1995 jährlich die deutsche Showprominenz vom Publikum mit der „Goldenen Henne“ ehren lässt, ob es nun die Stefanie Hertel oder der Frank Schöbel, Kurt Biedenkopf oder Deutschlands Handballmänner, Rudi Völler oder die Scorpions sind.</p>
<p>Wen freie Flugrouten vom neuen BBI in Schönefeld in die Ferne tragen, überfliegt dort vielleicht auch jene andere Helga-Hahnemann-Straße, der es – rein optisch – besser geht als ihrer Schwester in 10117 Berlin. Und die Henne gackert zuweilen noch in Schöneiches Gemeindehaus, das ebenfalls ihren Namen trägt. Der Autor hofft ganz im Sinne der Henne, dass seine Leser einen Hauch der „Freundlichkeit mit auf den Weg nehmen“, den die Henne sich immer für ihr Publikum am Ende des Abends gewünscht hat. Denn, was auch immer geschieht, die „Leute sollen mal richtig ablachen. Sie brauchen das wie Kinder, die sich mit Eierpampe bewerfen.“</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2012/01/ne-dicke-henne-die-mit-eierpampe-wirft-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Erotik aus deutscher K&#252;che</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2011/11/erotik-aus-deutscher-kche/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2011/11/erotik-aus-deutscher-kche/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 22:47:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcel Piethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zeitreisen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/2011/11/erotik-aus-deutscher-kche/</guid>
		<description><![CDATA[&#160; Die Schauspielerin Annekathrin Bürger „Die ist zu klein und sächselt.“ Kann das erotisch sein? Zumindest funktioniert es erst einmal im alliiert-geteilten Berlin vor dem Mauerbau. HO-Warenhausverkäuferin Uschi liebt Hans, den Autoschlosser aus Westberlin. Mit dem Traum von der großen Welt im Gepäck landet Uschi dort auch, will Mannequin werden. Doch der eisige Wind des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-5193" title="annekatrin" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2011/11/annekatrin.jpg" alt="" width="460" height="340" /></em></p>
<p><em>Die Schauspielerin Annekathrin Bürger</em><br />
„Die ist zu klein und sächselt.“ Kann das erotisch sein? Zumindest funktioniert es erst einmal im alliiert-geteilten Berlin vor dem Mauerbau. HO-Warenhausverkäuferin Uschi liebt Hans, den Autoschlosser aus Westberlin. Mit dem Traum von der großen Welt im Gepäck landet Uschi dort auch, will Mannequin werden. Doch der eisige Wind des Kapitalismus verweht alle Träume und Uschi wieder in die Arme von Eltern und sozialis-tischer Menschengemeinschaft.</p>
<p><span id="more-5139"></span></p>
<p>Gerhard Klein, dem Regisseur dieser „Berliner Romanze“ anno 1955, hat das deutsche Leinwand- und Fernsehpublikum seine Dankbarkeit zu erweisen, mit seinem Schattensprung über fehlendes Körpermaß und mangelndes Hochdeutsch eine der begabtesten Schauspielrinnen für den deutschen Film gefunden zu haben.</p>
<p>Voraussetzungen brachte das Mädchen mit. Am Ku’damm in Charlottenburg wurde sie geboren, die Ufa saß in Person des Vaters bereits an ihrer Wiege. Der war Zeichner in der legendären Kinotraumfabrik, Hauptphasenzeichner um genau zu sein beim UFA-Trickfilmstudio, hieß Heinz Rammelt. Seine Zeichnungen von Tieren werden später viele Kinderbücher in der DDR schmücken, seine Illustrationen in jeder bedeutenden Zeitschrift zu finden sein. Auch die Großmutter gehört zur künstlerischen Besetzung der Familie, ist Malerin, Kunstsammlerin und Restauratorin. Nicht zuletzt ist die Mutter des Mädchens Annekathrin Tänzerin der Berliner Volksoper. Eine vielbeschäftigte Familie.</p>
<p>Die Ehe der Eltern zerbricht. Es folgen die Wirren der Kriegszeit, Jahre bei Zieheltern und im Kinderheim. In Hornhausen bei Oschersleben in Sachsen wächst Annekathrin heran, besucht dort die Schule und merkt, dass es sie zum Theater zieht. Einer Ausbildung als Gebrauchsgrafikerin im HO-Atelier Bernburg folgt die Weiterbildung zur Bühnenbild-Assistentin und Requisiteurin. Da arbeitet sie bereits am Theater in Bernburg, im Malsaal. Hier am Theater verteilt Annekathrin Rammelt auch schon mal an die Schauspieler die Requisiten und steht zum ersten Mal selbst im Kostüm auf der Bühne und vorm Publikum, noch als Statistin. „Schwarzwaldmädel“ heißt die Operette, die ihr Premierenstück ist. Nun möchte sie der Leidenschaft das handwerkliche Rüstzeug geben. An der Schauspielschule in Berlin Schöneweide spricht sie vor, deklamiert – natürlich – das Gretchen; mit richtigen Tränen. Die Juroren befinden Annekathrin als zu leicht. Vorerst also kein Superstar …</p>
<p>Das besorgte dann jener Herr Klein, von dem wir bereits hörten. Der behauptete später, Annekathrin für die Rolle der Uschi unter 14.000 gecastet zu haben, nachdem er sie in dem DEFA-Kurzstreifen „Gebirge und Meer“ gesehen hatte. Neben dem ersten Hauptrollenengagement gab Herr Klein der 18-Jährigen den im Nachhinein wohl nicht ganz zu unterschätzenden Rat, sich schnellstens den Namens ihrer Großmutter anzueignen. Und so wurde aus Annekathrin Rammelt jene Annekathrin Bürger, die nun seit über 50 Jahren (sic!) ein Millionenpublikum mit ihrer Schauspielkunst zu faszinieren weiß.</p>
<p>Nun nimmt sich auch die „Hochschule für Film und Fernsehen“ in Potsdam-Babelsberg ihrer an und bildet sie drei Jahre lang zur Schauspielerin aus. Mit welchen Erfolg! Prompt folgt ein zweijähriger Vertrag bei der DEFA. Der wird allerdings nach einem Jahr gelöst, weil die Bürger 1959 zu den Gralshütern deutscher Schauspielkunst, ans Deutsche Theater nach Berlin wechselt. Bald verschlägt es die junge Schauspielerin aber in die Provinz, denn auch dort fördert der Staat zentral organisiert die hohe Kunst. Das Senftenberger Theater war „das Beste, was mir passieren konnte“, wird sie später sagen. Hier wird die Temperamentvolle erzogen zur Schauspielerin. Die DEFA engagiert die junge Künstlerin nun mit steter Regelmäßigkeit. „Spur in die Nacht“, „Tilman Riemenschneider“ und immer wieder die Liebe: „Verwirrung der Liebe“ und „Septemberliebe“ – die Bürger ist eine begehrte Frau geworden. Das Publikum dankt ihr, die Leser des Jugendmagazins der DEFA wählen sie 1960 zum Publikumsliebling.</p>
<p>Bei ihrer Rückkehr nach Berlin gastiert sie am Gorki-Theater und ist 1963 erstmals an der Volksbühne zu erleben, wo sie nun für mehr als 40 Jahre ihre „Theaterheimat“ findet.</p>
<p>Sie arbeitet mit den Ersten des Faches zusammen. Frank Bayer dreht um 1962 die „Königskinder“; der Film wird zu einem der Höhepunkte ihres filmischen Schaffens. Vor der Kamera steht sie mit Armin Mueller-Stahl und Manfred Krug. Diese beiden und der Kameramann des Streifen, Günter Marczinkowski, werden über ein gutes Jahrzehnt später in die Bundesrepublik übergesiedelt sein. Denn die nach außen so heile Welt des DDR-Sozialismus ist in sich krank. Das ahnt auch Annekathrin Bürger – vielleicht. Zumindest begegnet sie offensichtlichem Unsinn, sichtbarem Unrecht mit Anstand, mit Haltung. Mit „Hostess“ kommt im Februar 1972 einer der Filme ins Kino, der das Bild der Schauspielerin Bürger wie kaum ein anderer prägte. Sie ist ein gefeierter Filmstar, als Wolf Biermann ausgebürgert wird. Die Bürger jedoch ging nicht, wie viele ihrer Kollegen. Sie blieb. Aber sie blieb nicht gleichgültig. Sie machte den Mund auf, kämpfte, schrieb – welch ein Affront zu damaliger Zeit – einen Brief an den Staatsratsvorsitzenden, die Allmacht der SED, an Erich Honecker, stemmte sich gegen den Abriss des alten Bürgerhauses in Dresdens Große Meißner Straße 15, engagierte sich für den Erhalt des Gründerzeit-Museums von Charlotte von Mahlsdorf.</p>
<p>Trotzdem kann Annekathrin Bürger weiter Theater spielen, wird für Filme der DEFA und im Fernsehen besetzt, spielt wie einst 1965 in der Fallada-Adaption „Wolf unter Wölfen“ nach literarischen Vorlagen oder paradiert in Gegenwartsstücken wie dem Polizeiruf „Der Teufel hat den Schnaps gemacht“.</p>
<p>Hinter und vor der Kamera arbeitet sie mit Rolf Römer zusammen, Regisseur der „Hostess“, dem DEFA-Publikum aber besser bekannt als Westernmime in „Die Söhne der großen Bärin“. Mit ihm dreht sie nicht nur die Filme, mit ihm ist sie auch in zweiter Ehe verheiratet. Beide erleben sie die Turbulenzen der sogenannten Wendejahre. Wo die Bürger schnell einen neuen Platz im bundesdeutschen Filmbusiness findet, hat Römer es schwerer. Aber sie arbeiten – nicht nur auf Bühne und am Set –, engagieren sich, gründen gemeinsam den Verein „Kinder vom Don“, der russische Waisenkinder unterstützt.</p>
<p>Die Zuschauer der ARD lernen Anne-kathrin Bürger spätestens 1991 kennen. Da wird mit großem Erfolg der letzte Film des DFF der DDR ausgestrahlt: „Der Rest, der bleibt“. Und geblieben ist wieder die Bürger, ihre Filmographie ohne Lücke fortgeschrieben.</p>
<p>Als „Tante Gisela“ trat sie „Für Elise“ in diesem Jahr vor die Kamera, sie singt ihrem Publikum Brecht-Lieder und liest Erotisches zu deutscher Küche in Friedrichshagen. Und der Autor dieser Zeilen möchte darüber beinahe weinen, weinen über die kleinen Maulbeerblätter, die zu füllen mit so erzählenswerten Geschichten dieser Frau vieler mehr es bedürfte, um der Annekathrin Bürger gerecht zu werden.</p>
<p>Nicht daher, aber vielleicht weil es bei ihren alten Kollegen derzeit etwas in Mode oder einfach weil es für sie nun doch auch an der rechten Zeit ist, hat die Bürger Zwischenbilanz gezogen, eine Beschreibung ihres Lebens aus eigener Sicht veröffentlicht. Wer nachlesen will, wie sie in ihrem Haus in Köpenick mit Ehemann Rolf Römer lebte, wer mehr erfahren will über ihre Zusammenarbeit mit Kurt Maetzig in „Schlösser und Katen“ und über einen Termin bei Margot Honecker, dem öffnet sich der Vorhang auf 424 Seiten mit Witz und Charme, einer Menge an Verstand für die Welt und mit wahrer weiblicher Lebendigkeit.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2011/11/erotik-aus-deutscher-kche/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schwul sein in der Kohlegrube</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2011/10/schwul-sein%e2%80%a9in-der-kohlegrube/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2011/10/schwul-sein%e2%80%a9in-der-kohlegrube/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 22:30:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcel Piethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zeitreisen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/2011/10/schwul-sein%e2%80%a9in-der-kohlegrube/</guid>
		<description><![CDATA[Der Schauspieler Jaecki Schwarz Wären Eigennamen lediglich diakritische Zeichen, Klanghüllen ohne Bedeutungszusammenhang mit ihrem Träger, dann wäre es völlig egal, wie Dichter ihre Helden oder den Dichtern in ihren Ambitionen nahestehende Eltern ihre Nachkommenschaft nennen. Und auch sonst weisen Lara und Jaqueline, Anna-Sophie, Kevin und Lukas, Imke oder Friedrich eine Menge aus über die sichtbaren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium" title="wpid-schwarz_fmt.jpeg" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2011/10/wpid-schwarz_fmt-460x370.jpg" alt="SCHWUL SEIN IN DER KOHLEGRUBE" width="460" height="370" /></p>
<p><em>Der Schauspieler Jaecki Schwarz</em></p>
<p>Wären Eigennamen lediglich diakritische Zeichen, Klanghüllen ohne Bedeutungszusammenhang mit ihrem Träger, dann wäre es völlig egal, wie Dichter ihre Helden oder den Dichtern in ihren Ambitionen nahestehende Eltern ihre Nachkommenschaft nennen. Und auch sonst weisen Lara und Jaqueline, Anna-Sophie, Kevin und Lukas, Imke oder Friedrich eine Menge aus über die sichtbaren und unsichtbaren Zustände und Verwerfungen in Gemüt und Geldbeutel ihrer Boten und deren Adressanten. Einstmals waren fremdländische Namen ein originelles Privileg gebildeter Leute. Mit beginnender Globalisierung und dem Aufkommen der Massenmedien wurde der exotische Name allgemeinverfügbar und somit massenkompatibel.</p>
<p><span id="more-4752"></span></p>
<p>Bis an die Grenze des Seelenmordes treiben es manche Eltern, wenn sie ihre Kinder Galadriel oder Winnetou nennen. Man möchte meinen, cineastische Begeisterung oder Lesewut können auch pathologischen Seiten offenbaren. Geradezu harmlos war dagegen die Ambition einer Köpenickerin und angehenden Großmutter, die vielleicht einmal zu viel Charlie Chaplins Stummfilmtragödie „The Kid“ gesehen haben mag. Geschauspielert wird jenes Findelkind von einem gewissen Jackie Coogan, der als einer der ersten Kinderstars der Kinogeschichte gilt. Und so schwatzte die leinwandbeseelte Dame ihrer Tochter zur Namensgebung ihres Filius einen Jackie auf. Nun wird nicht jeder Winnetou ein Häuptling und auch nicht jeder Friedrich ein Großer. Aber in diesem Falle wurde aus klein Jackie auch ein Star, kein Weltstar der Kinoleinwand zwar, nein, aber allemal einer der renommiertesten deutschen Schauspieler der letzten Jahrzehnte: Jaecki Schwarz.  Wenn Sie meinen, mir sei hier ein Fehler beim Schreiben des Namen unterlaufen: Mitnichten! Dafür ist der Herr Standesbeamte (ich gehe einmal davon aus, es war damals ein Herr), verantwortlich, der den kleinen Namensamerikanismus kämpferisch unterband und aus Jackie schlicht Jaecki machte. Machte dem Buben wiederum gar nichts, seinen Weg ging der auch so. Zuerst – wie man es von angehenden Schauspielern nicht anders erwartet – gab er, nach eigenen Angaben, erste Vorstellungen seiner Kunst im hochoffiziösen Rahmen des Schulunterrichts als allgemein anerkannter Klassenclown – was seine Zensuren allerdings nicht bedeutend verbesserte. Ein mittelmäßiger Schüler sei er gewesen, sagt Jaecki Schwarz später von sich, einer, der das Abi gerade so geschafft habe, in Geschichte und Deutsch aber leidlich gut gewesen sei und von Mathe und Chemie immerhin etwas begriffen habe. Sehr gut begriffen hatte er dagegen, wie man anderen mit Gesten, Minen und Worten die Dinge des Lebens keck oder phantasievoll, ernst oder schlagfertig darstellt. Hier entwickelte der junge Schwarz einen ehrlichen Willen. In der Schule spielte er Theater und im Deutschen Theater, im dortigen Jugendclub. Zweimal bewarb sich Jaecki Schwarz erfolglos an Schauspielschulen, lernte den Beruf des Fotochemiefacharbeiters. Die „Hochschule für Film und Fernsehen“ in Potsdam-Babelsberg ließ ihn, das war 1965, bei seinem dritten Anlauf zum Studium zu. Hartnäckigkeit hatte er bewiesen, die für seinen Beruf von Vorteil ist. Und das Glück, das einer braucht, um voranzukommen, das hatte er in gewisser Weise auch. Als Konrad Wolf, einer der begabtesten, der anspruchvollsten Regisseure der DEFA einen jungen Schauspieler suchte, die Hauptrolle für den Antikriegsfilm „Ich war Neunzehn“ zu besetzen, fiel die Wahl auf Schwarz. Heute sagt er rückblickend, zählt dieser Film, sein erster, zu den künstlerischen Höhepunkten seiner Arbeit – und fügt erklärend hinzu, dies läge an der künstlerischen Ausnahmestellung, die der Film in allen seinen Facetten darstelle. Mit 22 Jahren war er mit einem Mal bekannt und auch Nationalpreisträger erster Klasse in der DDR. Seine Ausbildung an der Schauspielschule führte er jedoch selbstredend zu Ende, wie es sich damals noch gehörte.  1969 gab Schwarz in Magdeburg sein Bühnendebüt. Selbst noch Student, spielte er die Rolle des Famulus der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät Karl-Heinz „Quasi“ Riek in der Bühnenfassung von Hermann Kants Roman &#8220;Die Aula&#8221;. Am Magdeburger Haus mimte Schwarz noch einige Jahre, bis er 1974 zum Mitglied des von Brecht gegründeten und von Helene Weigel geleiteten „Berliner Ensemble“ berufen wurde. Dort blieb Jaeckie Schwarz von nun an 23 Jahre lang, wurde zu einer in Stadt und Land beachteten Schauspielerpersönlichkeit. Er gab am BE den „Stalin“ in Volker Brauns „Lenins Tod“ und wirkte in vielen Brecht-Aufführungen mit, begeisterte das Publikum in Stücken von Gorki und Shakespeare, von Heiner Müller und Volker Braun.  Sicherlich gehörte Jaecki Schwarz nicht nur zu den meistengagierten, sondern auch zu den beliebtesten Darstellern der DEFA und des DDR-Fernsehens. In über 120 Rollen glänzt sein trockener Humor auf der Oberfläche der von ihm dargestellten Figuren, führt sein sensibler Charme häufig auf hintergründige Facetten menschlicher Charaktere, oftmals an Rändern ihrer Abgründe. Er beherrscht sein Fach. Aber die eigenen Abgründe beherrschen oft ihn. Sein Leiden an der Zeit und ihren Umständen sehen nur die Freunde und einige Kollegen. Jaecki Schwarz trinkt und er ist schwul. Beides ist im Milieu der Künstlerkollegen nichts, was sonderliches Aufsehen erregt: „Es war vielleicht ein bisschen einfacher, als wenn man in der Schmiede oder der Kohlengrube stand oder bei der Reichsbahn war.“ Aber wenn sich nach der Arbeit die Türen der Theater und Studios hinter ihm schlossen, wartete eine andere, eine kalte, biedere Welt sozialistischer Kleinbürger auf ihn, die ihn so wenig verstand, wie er sie mochte.  In gewisser Weise ist er zwar privilegiert, darf als Schauspieler reisen, den Goldenen Westen sehen. Er überlegt jedes Mal, ob er den Rückweg antritt; entscheidet sich jedes Mal für Freunde und Familie – und empfindet doch bei jeder Rückkehr, „wie grau die DDR durch den ganzen Schmutz überall war, selbst das sozialistische Rot war sehr grau und sehr dreckig.“  Das Ende von all dem Schmutz erlebt er nicht live. Am 9. November 1989 steht er auf der Bühne des Berliner Ensemble. Nach der Vorstellung bricht sein Kreislauf infolge exzessiven Alkoholmissbrauchs zusammen und Jaecki Schwarz muss ins Krankenhaus. Seitdem hat er keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Dafür blieb er dem Leben und seinem Publikum erhalten. Er nutzte die neue Zeit, seine Lebenspassion mit neuen Möglichkeiten zu gestalten. „Ich bin der festen Überzeugung, dass man in diesem Beruf nie ganz fertig ist, man lernt bis zum Schluss“, sagt er in einem Interview. „Wenn man die Schauspielschule verlässt, ist man noch kein Schauspieler und deshalb sind Laien, die in Serien und Soaps auftreten, für mich auch keine Schauspieler“ – nur weil „jeder, der ein Mal vor drei Menschen auf einem Nudelbrett gestanden oder in einem Film eine Wurze gespielt hat“ das denkt.  1997 musste sich Schwarz zwischen Film und Theater entscheiden. Beides zusammen war zeitlich nicht mehr zu schaffen für ihn. Er verließ das Berliner Ensemble, übernahm gelegentlich Gastrollen und hat ein paar Jahre später mit dem Theaterspielen ganz aufgehört. Dafür grantelt er als kriminalisierender Beamtensnob, als Kommissar Schmücke, seit 1996 über die gesamtdeutschen Bildschirme. Mit viel Erfolg. Darüber hinaus arbeitet Schwarz als Sprecher für Dokumentarfilme, Hörspiele und ist bei Synchronisationen tätig, engagiert sich für die „Erinnerungsstätte der Homosexualitäten“ in Berlin-Mitte, schreibt und redet gegen die Alkoholabhängigkeit an, die „eine Krankheit und doch kein Makel“ ist. Auch sein aparter Vorname wurde zu keinem Makel für seinen Weg auf Bühne und Leinwand. Allein: Die Tatsache, dass ein Name nicht jedenfalls ein Omen sein muss, darf zwar Beruhigung all jener sein, deren namentliche Kinoträume bereits ihre Bruchlandung auf Standesämtern und in Taufregistern erlebten. Mitnichten sollte sie aber diejenigen in ihren hochfliegenden Namensschöpfungen ermutigen, deren Kinder erst noch ins Leben zu schicken sind.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2011/10/schwul-sein%e2%80%a9in-der-kohlegrube/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auswahl aus dem Chaos</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2011/09/auswahl-aus-dem-chaos-2/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2011/09/auswahl-aus-dem-chaos-2/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 00:47:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcel Piethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zeitreisen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/2011/09/auswahl-aus-dem-chaos-2/</guid>
		<description><![CDATA[Der Filmkomponist Peter Michael Gotthardt Was verbindet die rockenden Puhdys mit dem smarten Jan Josef Liefers und diesen auf gleiche Weise mit der Brutalokapelle Knorkator und diese nun wiederum mit einer Softkombo wie Amor &#038; die Kids? Sie alle sind nicht nur leidlich erfolgreich in ihrem jeweiligen Genre unterwegs und alle in der seit mittlerweile [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img width="300" height="211" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2011/09/wpid-Gott-Mischpult_fmt1-300x211.jpg" class="alignleft size-medium" alt="Auswahl aus dem Chaos" title="wpid-Gott-Mischpult_fmt1.jpeg" />
<p><em>Der Filmkomponist Peter Michael Gotthardt</em></p>
<p>Was verbindet die rockenden Puhdys mit dem smarten Jan Josef Liefers und diesen auf gleiche Weise mit der Brutalokapelle Knorkator und diese nun wiederum mit einer Softkombo wie Amor &#038; die Kids? Sie alle sind nicht nur leidlich erfolgreich in ihrem jeweiligen Genre unterwegs und alle in der seit mittlerweile 20 Jahren verflossenen Arbeiter- und Bauernrepublik mehr oder minder glücklich zu dem (gemacht) geworden, was sie heute sind. Nein, sie singen alle auch die gleichen Lieder – zumindest manchmal und im Speziellen dann, wenn es darum geht, eines der berühmtesten Filmkunstwerke der verblichenen DDR zu feiern: Die Legende von Paul und Paula. So geschehen im vergangenen Jahr anlässlich einer DVD- und CD-Hommage auf den Filmklassiker mit Kultstatus.</p>
<p><span id="more-4542"></span>
<p>  Für Drehbuchautor Ulrich Plenzdorf und Regisseur Heiner Carow, für die Schauspieler Angelica Paula Domröse und Winfried Paul Glatzeder wurde der Film schon 1973 die ganz große Nummer – und ihre Namen von nun an sehr, sehr bekannt. Bekannt wurden auch die damals noch fern der Rockerrente paukenden Puhdys. Deren Legende begann quasi mit der von Paul und Paula und mit den dort erstmals zum Besten gegebenen Songs von Liebe und Leben, mit „Geh zu ihr“ und „Wenn ein Mensch lebt“. Bei all dem Getöse, das dabei entstand, blieb Vielen jedoch der Name des Mannes, der maßgeblich am außergewöhnlichen Erfolg von Film, Darstellern und Band beteiligt war, sozusagen den Taktstock dazu schwang, unerhört: Peter Gotthardt. Als dieser seine Noten zu besagten Titelsongs setzte, war er 32-jährig, hatte sich an der bereits damals renommierten Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin in Dirigat und Komposition, am Klavier und zur Korrepetition ausbilden lassen. Während dieser Zeit entstand seine erste Filmmusik. „Studentinnen“ hieß der Dokumentarfilm von Winfried Junge, der das Leben junger Akademikerinnen an einer Technischen Hochschule beschrieb.  Zunächst sammelte Gotthardt an der Komischen Oper in Ost-Berlin musikalische Erfahrungen als Ballettrepetitor. In dieser Zeit zählte er zweifelsohne bereits zu den auffällig begabten Jungkomponisten Ostdeutschlands. Und so nimmt es nicht Wunder, dass ihm die Möglichkeit zuteil ward, zu arrangieren und zu komponieren für Ernst Busch, einen der politischsten Sänger des roten Deutschland, den mit der markanten Reibeisenstimme. Für Busch verfasst Gotthardt später, 1971, „Sieben Stücke für großes Orchester“, wie er überhaupt die Arbeit als Komponist für klassische Orchesterbesetzung pflegt. Dabei wird es zu seinem Markenzeichen, sogenannte U- und E-Musik, also Unterhaltungs- und Ernste Musik, zusammenzuführen. Es entstehen weitere sinfonische Arbeiten, so 1981 die Kantate Nr. 1 „Geht sorgsam um mit Euren Träumen“ oder 1985 „Face to Face“, ein Stück für großes Streichorchester, Perkussion und verschiedene „Rock“-Instrumente.  Als musikalischer Leiter des kammermusikalischen „Ensemble 66“ tourt Gotthardt am Ende der 60er Jahre durch die halbe Welt, vor allem die sozialistische. Sein Können zeigt er dem Publikum aber nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in Ägypten und Syrien, in Dänemark und Norwegen.  Doch der Film und vor allem die Filmmusik als Medium treten zunehmend in den Fokus seines künstlerischen Schaffens. Seine erste Spielfilmmusik schreibt er für Winfried Junge, den er von seiner ersten Filmarbeit bereits kennt. „Der tapfere Schulschwänzer“ ist ein „liebenswürdiger … Kinderfilm über einen träumerischen Jungen, der Verantwortung begreift, und … lernt, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem entdeckungsfreudigen Träumer … und einem wahren Faulpelz“. Die beiden produzieren darüber hinaus zusammen sehr erfolgreich Dokumentarfilme, deren Klangbilder aus der Feder Gotthardts stammen. Für „Elf Jahre alt“, „Mit beiden Beinen im Himmel – Begegnung mit einem Flugkapitän“, „Ich bin ein junger Pionier“, „Lebensläufe“, der von Filmhistorikern zu einem der 100 wichtigsten deutschen Filme aller Zeiten ausgewählt wurde, und zu „Drehbuch: Die Zeiten“, allesamt Teile der einzigartigen filmischen Langzeitstudie „Die Kinder von Golzow“, schreibt Gotthardt die Melodien. Seine Musik widmet sich den Bildern und Stimmungen, ordnet sich diesen aber nicht unter. Dabei sucht der Komponist Gotthardt immer wieder auch nach eigenen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten. Auch daher besitzt sein Name einen sehr guten, einen ausgezeichneten Klang in der ostdeutschen Filmgeschichte, verbindet sich mit Filmen, die bis heute ihr Publikum finden. Zu denen gehören Herrmann Zschoches „Sieben Sommersprossen“ und die „Insel der Schwäne“ – beides einfühlsame Filme, die den schwierigen Weg junger Menschen vom Kind zum Erwachsenen beschreiben. Auf seinen künstlerischen Wegen trifft der Filmkomponist Peter Gotthardt immer wieder auch auf den Regisseur Heiner Carow. Ihr erstes Rendezvous im Jahre 1967 verheißt etwas unromantisch: „Die Russen kommen“ und wird auch gleich einmal von den Spielplänen der ostdeutschen Kinoprogramme genommen. Der Streifen erzählt eine bedrückende Geschichte aus den Tagen des untergehenden Dritten Reiches, über Jugend, Träume, Irrungen und Neuanfang. Auf die Leinwände darf das Stück erst Ende der 1980er Jahre. Bis dahin hat Peter Gotthardt mit Heiner Carow dann aber nicht nur die hier und ansonsten auch viel beschriebene „Legende von Paul und Paula“ erarbeitet, die im Übrigen im Jahre 2005 vom Museum of Modern Art New York für eine DEFA-Filmretrospektive ausgewählt wurde und der somit eine künstlerische Weihe der besonderen Art zuteil wurde. Mit dem Jugendfilm „Ikarus“ (1975), für den Gotthardt auch Texte Bettina Wegners, eingesungen vom Dresdner Kreuzchor, vertont und dem realsozialistischen Gesellschaftsdrama „Bis daß der Tod euch scheidet“, das Spielfilmdebüt der damals 22-jährigen Katrin Saß, gelingt dem Gespann unter der Filmregie von Carow weiterhin Bemerkenswertes.  Abgesehen von einem einjährigen Intermezzo als Leiter der Schauspielmusik am Volkstheater Rostock im Jahre 1976 war Peter Gotthardt seit dieser Zeit freiberuflich tätig. Er komponierte zahlreiche Hörspiel- und Schauspielmusiken, so für eine Aufführung von Rolf Hochhuths „Lysistrate und die Nato“. „Komponieren ist eine Auswahl aus dem Chaos“, sagt er.   Von dem hielt seine Lebenszeit zwar Einiges an Anschauungsmaterial für ihn bereit, doch die großen Umbrüche des Jahres 1990 taten der Schaffensfreude des Komponisten keinen Abbruch. Im Gegenteil: 1991 entstehen der orchestrale „Hymnus an das Insulin“ und sein Verlagshaus Gotthardt. Hier werden nun seine eigenen Werke druckgelegt, Tonträger produziert und Theaterstücke herausgegeben. Peter Gotthardt produziert nun eigene Filme und begleitet als passionierter Pianist und Kineast am Berliner „Zeughaus-Kino“ manchen Stummfilmklassiker. Wie bei vielem, das er anpackt, bleibt ihm der Erfolg treu. Für sein filmkompositorisches Schaffen hatte er bereits 1985 den Kunstpreis der DDR erhalten – und nun, 1991, dekorierte ihn die Stadt Berlin mit dem Ernst-Reuter-Preis für sein Originaltonhörspiel „Ich schlage vor, den Beifall kurz zu halten“. Eine besondere Hommage an das Werk und den Menschen Peter Gotthardt stellt das in diesen Tagen im Adlershofer APHAIA Verlag erscheinende Buch „Mitunter fällt mir etwas ein“ dar. Wer mehr zu den über 500 Filmmusiken, auch etwas zu einer Gotthardt-Oper, zu Schauspiel-, Ballett- und Theatermusiken, Chansons und Songs des Komponisten erfahren mag, ist hier und bei den Veranstaltungen anlässlich des  25. Verlagsjubiläums gut aufgehoben, wobei es fraglich ist, ob der Beifall dann kurzgehalten werden kann. </p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2011/09/auswahl-aus-dem-chaos-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Guten Appetit!</title>
		<link>http://www.maulbeerblatt.com/2011/07/guten-appetit/</link>
		<comments>http://www.maulbeerblatt.com/2011/07/guten-appetit/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 25 Jul 2011 10:43:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcel Piethe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.maulbeerblatt.com/?p=4346</guid>
		<description><![CDATA[Ein Hoch dem aristokratischen Nichtstun, ein Hoch der barbarischen Völlerei, ein Hoch dem archaischen Menschenfressertum. So könnte zusammengefasst werden, was die JUNGE OPER BERLIN im Schlossplatztheater präsentiert, wenn am 18. August Häuptling Abendwind zu Tische bittet und „Das greuliche Festmahl“ steigt. Sommerzeit ist Reisezeit und wir dampfen ab zu „einer der fernsten Inseln Australiens“. Dort [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a rel="attachment wp-att-4347" href="http://www.maulbeerblatt.com/2011/07/guten-appetit/45-festmahl/"><img class="alignleft size-medium wp-image-4347" title="Das greuliche Festmahl von Jacques Offenbach" src="http://www.maulbeerblatt.com/wp-content/2011/07/45-festmahl-300x173.jpg" alt="Das greuliche Festmahl von Jacques Offenbach" width="300" height="173" /></a>Ein Hoch dem aristokratischen Nichtstun, ein Hoch der barbarischen Völlerei, ein Hoch dem archaischen Menschenfressertum. So könnte zusammengefasst werden, was die JUNGE OPER BERLIN im Schlossplatztheater präsentiert, wenn am 18. August Häuptling Abendwind zu Tische bittet und „Das greuliche Festmahl“ steigt. Sommerzeit ist Reisezeit und wir dampfen ab zu „einer der fernsten Inseln Australiens“.<span id="more-4346"></span></p>
<p>Dort haust der verwitwete Häuptling Abendwind und gehuldigt wird dem Motto: „Meistens gar nichts tun/Gleich drauf lange ruh´n/Nach der Ruh&#8217; zum Fraß/Nach dem Fraß ans Fass!“. Und dieserart verlustiert sich der nette Herr Abendwind vornehmlich im Verspeisen von Menschen. Aber irgendwie zur Strafe darob wird er eines Tages mit nahezu biblischem Tohuwabohu überzogen, angesiedelt zwischen Fress- und Liebeslust. Wer von Solcherlei nicht gleich angefressen ist, wird hier richtig sein. Das Schlossplatztheater verspricht dafür auch „harte Männer“ und ein „süßes Südsee- Girl“ sowie einen „mysteriösen Fremden“, alles vorzüglich serviert im Lichtgarten (Alter Markt 6) und umschmeichelt von Wohllauten des Operettenvaters Jacques Offenbach. Der verabreichte bereits seinen Zeitgenossen mit publikumswirksamer Rhythmik vielfach geteilte Freud und manches Leid. Was Heine und Nietzsche entzückte, war Klangimperator Wagner „die Wärme eines Düngehaufens“. „Das Greuliche Festmahl“, als burleskes Singspiel 1857 in Paris erstmals aufgeführt, wurde dem deutschen Gaumen seinerzeit kredenzt von Johann Nestroy. Feinsinnig rührte dieser, Germaniens einstmals populärster Volksbühnenautor, im Jahr 1862 die Ingredienzien zu dem Erfolgsstück ein, wozu er Offenbachs Klängen von Pariser Charme seine Worte aus Wiener Schmarrn beigab. In Köpenick wird nun alles recht neu zubereitet und nicht nur aufgewärmt! Zum Glück, möchte man sagen. Denn es muss schon etwas ganz Besonderes sein, wenn man sich zu Leuten an den Tisch setzt, die original verkünden: „Mein Obstgarten is die Fleischbank“.</p>
<p><em>Ab Do 18.08.11, Das greuliche Festmahl von Jacques Offenbach Eine glaubwürdige Gegenwartsvision von Sören Hornung Premiere am 18.08. 2011 im Lichtgarten, Alter Markt 6, 12555 Bln. Bei schlechtem Wetter im Schlossplatztheater! Für weitere Termine und Infos: <a title="www.schlossplatztheater.de" href="http://www.schlossplatztheater.de ">www.schlossplatztheater.de </a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.maulbeerblatt.com/2011/07/guten-appetit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

