Böhmische Dörfer
Alter Schwede, da haben uns die Griechen aber einen ordentlichen Türken gebaut. Hätte das nicht irgend jemandem spanisch vorkommen müssen? Politik und Finanzexperten beteuern nun wieder in abgedroschenem Fachchinesisch, warum ihr Versagen auch diesmal alternativlos war. Wirtschaftspolitischer Sachverstand? In der Berliner Republik finden sich da nur Böhmische Dörfer. Währenddessen wird mit unserem Steuergeld an den Börsen noch immer Russisches Roulette gespielt. Das muss sich ändern, sonst ist Polen offen: Inflation, Depression, Revolution, Sowjetunion! Und Banker? In die Produktion!
Sei’s drum. Für uns Maulbeermänner wäre all das nicht dramatisch. In größter Not könnten wir dänische Western drehen, die italienischen Momente genießen und unser Französisch etwas aufbessern. In billigem Wein ließen wir unsere russische Seele baumeln und sparsam wie die Schotten sind wir ohnehin seit eh und je, also was soll schon passieren?
Schlimmer hat es da den Ballack erwischt. Kein Schutzschirm war für ihn gespannt und nun kann er sich während der Fußball-WM in Südafrika zu Hause vor dem Fernseher schwarz ärgern. Für den Rest der Mannschaft kommt es darauf an, mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, dem Temperament eines italienischen Sportwagens, der Leidenschaft einer brasilianischen Karnevalskönigin und der Durchschlagskraft einer amerikanischen Mittelstreckenrakete dem Rest der Welt zu zeigen, wie weit man es mit deutschem Fleiß bringen kann. Sport frei! Wir drücken die Daumen. Wenn es klappt, sind wir stolz wie die Spanier und wenn nicht, nehmen wir es mit englischem Humor. Mögen die Besten gewinnen, solange es keine Holländer sind!