Bloß kein Sex

Online veröffentlicht am 3. September, 2010 von Anke Assig
in der Rubrik Mama Mia | Kommentieren

schnecke

Nirgendwo auf der Welt ist es so gefährlich wie im eigenen Bett. Wer hier intim wird, riskiert im Grunde sein Leben (wenn auch nur sein bisheriges). Der freudigen Nachricht „Sie sind schwanger“ lässt die Frauenärztin letzten Herbst einen Schwall von Ermahnungen folgen: Nicht rauchen, nicht trinken, auf keinen Fall Sushi oder Tartar essen (Listerien!), Freunde mit Kindern im Kindergartenalter bloß nicht rein lassen (Windpocken!), Katze abschaffen (Toxoplasmose!) und Bungeejumping einstellen. Unkalkulierbar die Gefahren für das Ungeborene. Per Ultraschall wird überwacht, ob ich heimlich genascht oder ferngesehen habe – übergewichtigen bewegungsscheuen Nachwuchs kann sich unser Land nicht leisten. Überhaupt lese ich nun ständig, dass wir ökonomisch gesehen unsere Existenz aufs Spiel gesetzt haben. Kinder gelten als Armutsrisiko (es sei denn, sie werden einmal Hoteliers oder Kernkraftwerksbetreiber … )

Es gibt tausend Gründe gegen ein Kind. Gern werden Hängebrüste, lebenslängliche Schlaflosigkeit, Brechdurchfälle, bemaltes Mobiliar und das Ende der hart erkämpften Reisefreiheit (Uckermark statt Himalaya!) ins Feld geführt.
Doch zur Umkehr ist es jetzt ohnehin zu spät. Das Kind ist da. Mit seiner bloßen Existenz sorgt es seit ein paar Wochen für Chaos in der Welt: Die nachbarschaftlichen Beziehungen sind ob des Geschreis nahezu zerrüttet, der Wasser- und Windelverbrauch treibt jeden Umweltschützer zur Verzweiflung und die Kinderärztin warnt vor Pandemien biblischen Ausmaßes, wenn das Kleine ungeimpft bleiben sollte. Tuberkulose und auch die Pest seien schließlich wieder auf dem Vormarsch. Ich habe Angst. Was haben wir getan? Erst Fun, dann Risk? Neulich versuchte sich der Kindsvater mir zärtlich zu nähern.
Ich winkte ab.
Zu gefährlich!

Blätterrauschen

Online veröffentlicht am 1. September, 2010 von Sebastian Koepcke
in der Rubrik Aktuell, Glosse | Kommentieren

Sarrazin

Der Herbst steht vor der Tür. Er kündigt sich an mit gewaltigem Blätterrauschen. Thilo Sarrazin fegt wie eine Windhose durch die deutsche Medienlandschaft und ein jeder Demokrat tut gut daran, sich lautstark darüber zu empören. Wären wir aber einmal ehrlich, dann gäben wir ihm Recht: Alles wird schlechter, alle um uns herum sind dümmer und irgendwann wird jede Ehefrau, genetisch bedingt, genau wie ihre Mutter – diese Erfahrung macht doch jeder – jeden Tag. Allerdings ist der Migrant als Stütze dieser These nicht zwingend von Nöten, denn ein historischer Rückblick macht die Sache ebenfalls klar. Mehr lesen

Wasser aus dem Berliner Sumpf

Online veröffentlicht am 30. August, 2010 von Maulbeermann
in der Rubrik Aktuell | Kommentieren

Nichts zu sehen von Friedbert Pflüger, keine Spur von pomadigen FDP-Strategen, nirgends ein Plakat mit Günther Jauch. Und die Kanzlerin? Schweigt. Ohne flankierende Medienkampagne der BILD-Zeitung läuft dennoch zur Zeit ein Volksbegehren in Berlin und die Stille der üblichen Lautsprecher spricht für sich.

wassertischDie Initiatoren fordern die Offenlegung von Geheimverträgen, welche bei der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe im Jahr 1999 abgeschlossen wurden. Die Bürgerinitiative “Berliner Wassertisch” setzt sich gemeinsam mit der Grünen Liga Berlin, der Verbraucherzentrale, attac und vielen anderen dafür ein. Bis zum 27. Oktober will man über 172.000 gültige Unterschriften sammeln, damit schließlich die Berliner Bevölkerung über einen entsprechenden Gesetzentwurf im Rahmen eines Volksentscheids abstimmen kann. Waren die bisherigen Volksbegehren vor allem von Parteien lanciert und gesteuert, so spüren nun erstmals alle Berliner die Folgen des anstehenden Problems: Das Wasser aus dem Sumpf der Berliner Klüngelwirtschaft ist teuer! Seit 2001 sind die Wasserpreise um 35% gestiegen. Das bedeutet in absoluten Zahlen: Über eine Milliarde Euro wurden bereits aus den Taschen der Verbraucher gepumpt. Nach einer Untersuchung der NUS-Consulting zahlen die Berliner im internationalen Städtevergleich die höchsten Wasserpreise. Zudem sind Arbeitsplätze abgebaut und Investitionen abgesenkt worden.Mit der Schließung von drei Wasserwerken hat die Stadt ca. 30 km² ökologisch sensibles Trinkwasserschutzgebiet verloren.

Der Grund für diese besorgniserregende Entwicklung liegt in jenen Teilprivatisierungsverträgen, über deren Inhalt „absolutes Stillschweigen“ vereinbart wurde. Durch ehemalige Mitarbeiter der Senatsverwaltung sind den Initiatoren einzelne Passagen zugespielt worden, so dass sie wissen, dass geltendes Recht unterlaufen wird.

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Kriäitiff Wraiting – watt soll denn ditt sein?

Online veröffentlicht am 30. August, 2010 von Jesta Phoenix
in der Rubrik Maulbeertipp | Kommentieren

oder  Ach, eigentlich haben wir alle etwas zu erzählen…

Die Arbeitsvermittlerin schaut mich über ihre Brille hinweg an und kann mit meinem Bachelor Abschluss (BA Hons Creative Writing) nichts anfangen.  Als ich ihr versuche zu erklären, dass es sich dabei um eine akademische Autorenausbildung handelt, ist sie auch nicht viel überzeugter – ‚Sowatt kann ma studieren?’

2001 war das.  2009 als ich Berlin Muse gründe, um Kurse im Kreativen Schreiben anzubieten, ruft mich eine entrüstete Berlinerin an, und versucht mich eine ganze Stunde lang versucht davon zu überzeugen, dass sie da schon viele Erfahrungen gemacht hat mit solchen Kursen und, dass das alles Blödsinn ist.  Schreiben kann man nicht lernen.  Entweder man kann das, oder eben nicht. Egal was ich sage, sie ist sich ihrer Sache sicher und ich danke ihr für ihren inspirierenden Anruf und lege auf.

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Jede Höhe hat ihre Zeit

Online veröffentlicht am 2. August, 2010 von Till Kahnt
in der Rubrik Maulbeertipp, Unterwegs | Kommentieren

kletterpark

Der Kletterpark Grünheide: Sanft schaukeln die Colakästen im Wind hin und her. Zehn, zwölf Meter über den Köpfen leuchtet ihr Rot durch die Baumwipfel. Die Blicke der Kursteilnehmer, welche eben ihre Sicherheitseinweisung erhalten, gehen ab und an nach oben. Neugier mischt sich mit Ehrfurcht, Vorfreude mit Respekt.

Nach Wochen, in denen Regen und Kälte schier endlos auf Land und Seele lagen, ist nun doch der Sommer angebrochen. Das Grün der Bäume strahlt intensiv in der Sonne und vom nahen Wasser streicht eine angenehme Brise durch den Wald. Über unseren Köpfen winden sich Meter um Meter Stahlseile, Hängebrücken und Netze zwischen den Bäumen. Hölzerne Plattformen säumen in unterschiedlichen Höhen die Stämme. Wir befinden uns in einem Waldstück unmittelbar neben dem Nordstrand des Werlsees im Kletterwald Grünheide. Fünf verschiedene Kletterparcours verbinden hier über sechzig verschiedene Elemente zu aufregenden Rundtouren durch das Blätterdach und die Konstrukteure haben sich viel einfallen lassen, um dabei keine Langeweile aufkommen zu lassen. Obwohl das schon angesichts der Höhe von bis zu fünfzehn Metern, auf die man emporschwingen kann, unwahrscheinlich erscheint.

Ein erster Blick in die Runde bereits offenbart Erstaunliches: In vielleicht drei Metern Höhe spannt sich ein schmaler Holzsteg über den Weg, auf dem ein Bobbycar auf Fahrgäste wartet. Gleich daneben schaukelt ein ausgedientes Paddelboot. Weiter oben, mitten im Geäst einer stattlichen Linde, schimmert das Segel eines Surfbretts in der Sonne. Doch während man sich noch umschaut, ist die Einweisung bereits vorbei und die Ersten aus der Gruppe beginnen die Treppe zum ersten Rundkurs zu erklimmen. Als Freund festen Bodens und allen Aktivitäten, die sich mehr als einen halben Meter über der Erde abspielen eher skeptisch gegenüber stehend, schaue ich lieber meiner Freundin dabei zu, wie sie über meinem Kopf etwas wackelig über ein Stahlseil balanciert. Das Bobbycar allerdings scheint wirklich Spaß zu machen und auch das Überklettern des Paddelboots sieht schon von unten sehr amüsant aus. Mehr lesen

Toni Mahoni im Maulbeer TV

Online veröffentlicht am 27. Juli, 2010 von Maulbeermann
in der Rubrik Interview | Kommentieren

AGAIBF – Alfs Großer Auftritt In Berlin Friedrichshagen

Online veröffentlicht am 26. Juli, 2010 von Alf Ator
in der Rubrik Alfs Allerlei | Kommentieren

alf

Wir schreiben den 31. Juli 2745. Die Mädchen, Jungen und Mumplinge der Klasse 4s sitzen artig in ihren Lernkokons und schauen gespannt auf Frau Tiger, die sich gerade auf dem nagelneuen Gosch materialisiert hat. “Na, ihr?” begrüßt sie die Kinder, und wie aus der Pistole geschossen kommt aus 45 Mündern und Lautsprechern ein exaktes “Na Sie?” zurück. (Wer jetzt daraus schließt, dass wir es mit einer 45-köpfigen Klasse zu tun hätten, weiß nicht, dass Mumplinge seit 2699 stereo sind. Bei einer gesetzlich festgelegten Mumplingquote von 50% ergeben sich daraus 30 Individuen, von denen 15 je einen Mund, die andere Hälfte je 2 Lautsprecher besitzen.)

“Wer von euch weiß, was heute für ein besonderer Tag ist?” “Heute ist AGAIBF!” rufen alle durcheinander. Kein Wunder, in den letzten Wochen sind fast alle Familien, Gemeinden und Bezirke mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen. AGAIBF ist neben Ostern und Herrentag das wichtigste Fest im VEM-Komplex (Venus-Erde-Mars). Jedes Dorf, das etwas auf sich hält, baut sich zumindest ein provisorisches Amphitheater, und eine Stadt ohne Colosseum gibt es seit mehreren hundert Jahren nicht mehr. Entertainer haben Hochkonjunktur, Schulklassen produzieren interaktive Playback- Theaterstücke, und in den Wohnzimmern wird der Fernseher gegen eine Bühne eingetauscht. Es ist ein Fest der humorvollen, aber tiefgründigen Unterhaltung. Mehr lesen

… die Phoenix kriegt was erzählt von: Traveling Oweide

Online veröffentlicht am 23. Juli, 2010 von Jesta Phoenix
in der Rubrik Interview, Leute Leute … | Kommentieren

travelingOW

Traveling Oweide, Liedermacher & Musiker – Dirk Friedrich, Sven Friedrich und Bert (Ehren-Friedrich-)Scholz

1. Was ist für Sie typisch Köpenick?
Dirk Friedrich: Die Wuhlheide.
Sven Friedrich: Das Schloß Köpenick.
Bert Scholz: Der Schlossplatz.

2. Was lesen Sie gerade vor dem Schlafengehen?
D: Das Berliner Tagebuch.
S: Also wenn ich mal ein Buch in der Hand habe, dann ist es Mark Twain, weil ich das Gefühl habe, dass er spricht meine Sprache. Wenn ich vor dem Schlafengehen lese, heißt das, dass ich mich nicht die ganze Nacht damit beschäftigen kann – also sind es vor allem seine Kurzgeschichten. Ich will ja damit fertig werden.
B: Bukowski. Kleine Kneipengeschichten.

3. Von den materiellen Dingen, die Sie besitzen – auf was könnten Sie sofort verzichten?
D: Fernseher.
S: Auto.
B: Ja, da könnte ich auch drauf verzichten – Auto.
S: Ich fahr auch Sommer wie Winter mit dem Fahrrad zur Arbeit – neun Kilometer hin und neun zurück. Das mit dem Walkman und Fahrradfahren habe ich aufgegeben. Musik höre ich dann lieber im Auto.

4. Welchen Gegenstand würden Sie auf jeden Fall aus ihrem brennenden Haus retten?
D: Also, ich bräuchte mindestens eine halbe Stunde, um zu überlegen welche Gitarre ich rette – aber auf jeden Fall wird es eine der Gitarren sein.
S: Das ist bei mir auch so. Ich würde immer versuchen beide Hände mit Gitarren voll zu kriegen. Ich habe fünf gute Gitarren, außerdem meine allererste Gitarre und dann noch eine, die eigentlich weggeschmissen werden sollte, aber das bringe ich einfach nicht übers Herz. Ich spiel sie auch noch – weil dafür wurde sie ja mal gebaut.
B. Ich brauch da auch nicht zu überlegen – eine Hand die Gitarre und in die andere den Verstärker.
D: Wer E-Gitarre spielt, muss halt immer mit Strom unterwegs sein oder mit einer handvoll Batterien.

5. Einsame Insel. Wen nehmen Sie auf gar keinen Fall mit?
D: Das ist zu privat…
S: Also ich bin niemandem so spinnefeind, dass ich es nicht mit ihm aushalten würde.
B: Da ist so eine gewisse Ex-Freundin…

6. Was tun Sie um wieder ‚aufzutanken’?
D und S: Gitarre spielen.
B: Gitarre spielen und Musik hören – mitspielen und mitplärren.
S: Wir spielen täglich. So viel wie eben Zeit ist. Ich spiel meistens schon morgens um fünf auf einer Gitarre, die in der Küche hängt. So ein bis zwei Liedchen bevor ich mich dann aufs Fahrrad schwinge. Eigentlich muss das gar kein Lied sein – nur so ein paar Akkorde reichen manchmal auch.
D: Gitarren sind so’n bisschen wie Weggefährten.

7. Zeitmaschine. In welche Zukunft oder Vergangenheit reisen Sie und wen wollen Sie dort treffen?
S: Woodstock und dann die Zeit von Frank Zappa.
D: Ja, Peace und lange Haare war eine gute Zeit. Aber es wäre auch spannend Orte, die es heute gibt zur Zeit der Dinosaurier zu besuchen.
S: Schöneweide im Tertiär.
D: Na, da gab es ja auch Palisander im Überfluss – da ließen sich bestimmt Gitarren ohne Ende draus machen…

8. Welches Lied könnten Sie immer wieder hören und mitsingen?
S: You’ve got a friend von James Taylor.
B: Pink Floyd – Shine on Crazy Diamond.
D: 51er Kapitän von Reinhard Mey.

9. Was war Ihr Lieblingsessen als Kind?
D: Nudeln mit Tomatensoße. Auch heute noch. Makkaroni nicht Spaghetti.
B: Falscher Hase – also Fleisch ohne Knochen.
S: Quetschkartoffeln mit Rührei.

10. Woran glauben Sie?
S: An das Gute im Menschen.
D: Alles wird bezahlt im Leben.
B: Alles im Leben hat Konsequenzen, die man dann auch tragen muss.

11. Was bringt Sie zum Lachen?
S: Der Film „Bube, Dame, König, Gras“ von Guy Ritchie. Da gibt es Stellen, die mich immer wieder zum Lachen bringen.
B: Menschen, die bildhafte Witze erzählen.
D: Für mich ist das der Film „Bang Boom Bang“.

12. Beschreiben Sie sich mit nur einem Wort.
D: Ruhelos.
S: Ehrlich. Darauf lege ich Wert. Auch wenn mich diese eine Zeile aus einem Lied für immer verfolgen wird – da habe ich geschrieben, dass ich meiner Mutter Geld aus dem Portemonnaie geklaut habe, weil das da gut gepasst hat. Ich habe meiner Mutter nie irgendwas geklaut, aber das glaubt mir jetzt natürlich keiner mehr. Es gibt sogar manchmal Leute, die zu mir kommen und mir dann gestehen, dass sie ihrer Mutter ‚auch’ Geld geklaut haben… Ich habe die Zeile jetzt extra geändert in ‚ich habe im Konsum nie mehr als ’ne Bambina geklaut’, um meine Mutter da raus zu lassen.
B: Ruhig.

13. Was war Ihr spektakulärster Misserfolg?
D: Bei mir war da so eine Geschichte mit einer Holzhantel als ich zehn Jahre alt war… Das war am Anfang meiner Gewichtheberkarriere.
B: Mein erster Versuch zu rauchen. Wann das war will ich hier gar nicht sagen, nachher liest das noch meine Mutter… Stubenarrestgefahr!
S: Naja es gibt bei uns so eine Nummer Eins der Misserfolge, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen… Das ist wirklich schwer zu toppen. Ich bin vom Sternbild Stier, das bedeutet, ich überlege mir die meisten Sachen sehr genau. Daher habe ich mit Misserfolgen nicht so viel zu tun.

14. Was ist Ihnen peinlich?
S: Text vergessen auf der Bühne. Das passiert ja auch den professionellsten Musikern.
B: Mein erster Auftritt in der Eichenklause. Ach, da ging einfach alles schief. Die Technik war futsch, ich war nicht zu hören, habe total daneben gespielt… Ich habe mich dann mit dem Rücken zum Publikum gestellt.
D: Obwohl mit ja da noch was anderes einfällt. Als wir letztes Jahr am S-Bahnhof Schöneweide zum Fest der Demokratie gespielt haben und unser Bongomann die Bongos vergessen hat…
B: Ja, da hab’ ich dann Mundperkussion gemacht.

15. Haben Sie ein Mantra?
D: Das Leben kann verdammt kurz sein.
S: In der kleinsten Pfütze spiegelt sich noch der Regenbogen.

16. Was möchten Sie in den nächsten 10 Jahren erreichen?
D: Ich würde mich freuen, wenn meine Bypässe offen bleiben.
S: Meine Altersteilzeit möchte ich erreichen…
B: Ja, ich auch.

17. Von all ihren schlechten Angewohnheiten – was ist Ihre liebste?
D: Das Rauchen hätte ich gern noch als schlechte Angewohnheit. Das darf ich ja leider nicht mehr – aber diese hätte ich gern noch.
S: Der Rotwein.
B: Na, dann muss ich sagen – das Bier.

18. Wen bewundern Sie am meisten?
D: Tommy Emmanuel, weil er Gitarre spielt, als wäre er nicht von diesem Planeten. Und dabei hat man bei ihm trotzdem das Gefühl, dass er einfach nur Mensch geblieben ist frei von jeglicher Arroganz.
S: Charlie Brown. Er ist immer gut drauf, obwohl alles schief geht.
B: Stephen Hawking, der britische Astrophysiker. Der sitzt zwar im Rollstuhl, aber was der so alles zusammenkriegt und worauf der so alles kommt! Der zeigt einfach mal, dass es eher darauf ankommt was man kann und nicht darauf, was man nicht kann.

19. Was treibt Sie an?
D: Neugier.
S: Die Gitarren, die so rumstehen.
B: Mein Sohn, der mit 16 zu mir gezogen ist.

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Summer in the city

Online veröffentlicht am 22. Juli, 2010 von Katrin Wollschaeger
in der Rubrik Gedanken, Glosse | Kommentieren

Mein Freund, Teilzeitvater von drei Söhnen simst, er beneide mich um meine Ruhe. Ach? Ich stehe um 6 Uhr auf, schicke um 8 Uhr ebenso mitleidig wie genervt den pfuschenden Maler weg. Er ist unfähig, müde, übellaunig, es ist sehr warm und feucht. Die Fensterfront sieht inzwischen aus wie ein Backgammonspielplan und das ist nicht das einzige Übel. Anklagend senken die divenhaften Balkonpflanzen im Hausarrest die Köpfe und rascheln vorwurfsvoll mit Laub „Wann dürfen wir wieder raus?“ – Wenn die wüssten… Einige kommen in den Sack, weil sie nicht artig waren und wenig wohlgeraten sind. Die anderen kommen ohnehin bald an den Tropf, denn ich fahr zum Plauer See nach MeckPomm. Zum Radfahren und Schmollen – wegen des Teilzeitvaters.
Draußen lärmt seit 6.30 ein Laubbläser ohne Laub und die BSR „trockenduscht“ und schrubbt mit beißendem Gebläse quasi ohne Wasser die Straße. Stoisch lenkt der Fahrer sein ausgedörrtes Nassreinigungs-Fahrzeug kreischend und fiepend durch die Gegend. Um 7.00 fielen in den Kanon mit ein: die ausgeführten Köter. Dann sangen sich noch ein paar Kreissägen warm, Bäume werden “gepflegt“. Ein Rasenmäher kommt hinzu, der den nicht vorhandenen, ausgedörrten, gelben Rasen mäht. Steht eben so im Mäh-Plan drin. Kräftiges, lautes Sägezahngerät stutzt winzige Hecken auf Wadenhöhe. Ich schreibe eine traumhafte Bewerbung an den Verband der Tourismuswirtschaft unserer ebenso traumhaften Stadt, solange es sich noch mit vollem Bewusstsein am Schreibtisch am Südfenster aushalten lässt. Brauche endlich Vorhänge! Selbst der PC macht mehr Krach als sonst, Laufwerk, Lüftungsgebläse ächzen unter der Hitze und der Drucker braucht ’ne Extraeinladung. Ich klebe an meinen Zeugniskopien und der Briefmarke fest. Es ist 10 Uhr, bereits jetzt 28 Grad im Schatten. Mein Rad hat keine Lust, ich auch nicht, egal, da muss man durch, auf den Termin warte ich seit 5 Monaten. Mehr lesen

Immigrant-pa

Online veröffentlicht am 21. Juli, 2010 von Holger Claassen
in der Rubrik Kiezspaziergang | Kommentieren

Als noch Osten war, da gab‘s für mich nur Westen und das war das, was man während der SBahn- Fahrt von Plänterwald nach Treptower Park sehen konnte. Auf meinem Berliner Stadtplan war hinter der Mauer alles grau. Der sehnsüchtige Blick nach drüben verschaffte mir ein Gefühl dafür, wie nah die Ferne lag und vermittelte mir das Verständnis, dass zwischen 0 und 1 Unendlichkeit herrscht. Nach 09/11/89 war mein erster Weg ins freie Berlin natürlich nach Neukölln. Über Rudow ging‘s via U7 zum U-Bahnhof Karl-Marx-Straße.

Ich war überwältigt, nahe dem Kulturschock und tat jedoch gelassen. Zum Shoppen fehlte die Kohle und „Wer klaut, kricht keene Tüte“ war der Slogan der Einzelhändler. Also investierte ich an der Tankstelle einen Heiermann in ein Six-Pack gut gekühlten Kindl’s, besetzte eine Parkbank am Hermannplatz und tat, was ich auch im Osten immer getan hatte. Über 20 Jahre ist das nun her, ich bin ein alter Sack geworden und habe mich ebenso wie die Karl-Marx-Straße von Grund auf verändert. Mein Großmütterchen schleppte einst Jeans von Ost nach West, in blauen Tüten, auf denen zu lesen stand: Jeans Express, direkt am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße. So war sie mir von Kindheit an ein Begriff von Freiheit und Wohlstand. Nun hat sie ihr stolzes Gesicht verloren. Die Fassaden bröckeln, die Leuchtreklamen flackern nur noch. Verschwunden sind der „Jeans-Express“ und der „Rosinenbomber“, der kleine Schuhladen, in dem ein schwuler Pakistani akzentfrei Doc-Martens verkaufte, ebenso wie der kleine, verschmöckerte Schallplattenladen. Dafür und jetzt mittendrin zwei-drei Einkaufscenter, die den Schaufenstern der Karli das Gesicht nahmen. Einige kleine Cafés mit Bohnen- und auch Schuhverkauf haben unter dem Schutz und der blauen Leuchttafel mit der gelben Schrift überlebt, in ihnen treffen sich wollbemützte alte Damen, sie trinken ein Tässchen feine Milde zu einem Stückchen handgeriebenen Streuselkuchen. Mehr lesen

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